Liebe Freunde,

Viel zu lange ist es her, dass ich Euch ein Update über meine literarisch-musikalischen Aktivitäten geliefert habe! Einige Zeit war meine Website aus mysteriösen Gründen nicht zugänglich, und sonst ist (wie es uns allen geht) immer viel los. Jetzt geniesse ich die freien Ostertage und kann wieder mal liefern. Here goes:

Mein Roman: Überarbeitung und Recherche…!

Nachdem ich ja im Dezember zu meiner grossen Freude den Zuschlag für eine Veröffentlichung beim Penguin Verlag erhalten hatte, waren in den Folgemonaten noch einige rechtliche Formalitäten zu erledigen. Kurz vor meinen Thailandferien im Februar trafen dan meine ersten Verlagsverträge (für Band 1 und 2) bei mir ein  – ein feierlicher Moment! Im März hatte ich ein tolles Telefonat mit meiner Verlagslektorin, und nun sitze ich an der Überarbeitung des Manuskripts. Ganz konkret habe ich meine bisherige Arbeit bereits verschickt und warte nun gespannt auf das Feedback. Parallel dazu  habe ich mit vertiefter Recherche für Band 2 begonnen, was ich in den kommenden Wochen noch fortsetzen werde. Nachdem ich lange herumgerätselt hatte, was ich genau in den Krimiplot packen könnte, hatte ich eine zündende Idee, die aber einiges an Wissen über Themen erfordert, die mir nicht so geläufig sind. Also auf in die Bibliotheken und Archive!

Musikalische Events: Gottesdienstumrahmung und Talk mit Chäs, Brot und Wy…

An der Gitarre und am Mikrofon stand ich in den letzten Monaten nur im Gottesdienst, aber bald schon darf ich wieder “aushäusig” wirken. Am 6. Juni werde ich in der GMS Studen Gast ihrer Event-Serie “Chäs, Brot und Wy und mi Gschicht mit Gott” sein. Dort darf ich ein bisschen was von mir erzählen, Fragen beantworten und auch das eine oder andere musikalisch darbieten. Ich freue mich schon sehr! Ebenfalls im Juni werde ich zusammen mit Kirsten Raufeisen den Firmgottesdienst im Kinderheim Bachtelen musikalisch umrahmen. Auch darauf freue ich mich; wir durften dies bereits vor zwei Jahren übernehmen – ein feierlicher Anlass in den ehrwürdigen Räumen des Kinderheims, das übrigens auch in meinen Büchern eine Rolle spielen wird.

Ostergrüsse und Lesetipp für die freien Tage

Soweit in knackiger Kürze, was bei mir läuft. Es ist ein spannendes Jahr mit vielen “Firsts”, und im Moment bin ich neben meinem Buch noch in zwei Teilzeitanstellungen beschäftigt. Zusammen mit den ehrenamtlichen Engagements wird es manchmal etwas eng – vor allem im Kopf – aber die Freude überwiegt. Jetzt geniesse ich die freien Tage und hoffe, Ihr tut dasselbe. Und falls das Wetter bei Euch nicht so dolle ist, habe ich Euch einen heissen Lesetipp: Die wenigsten Bücher überstehen bei mir den “Erste-Seite-Test”, aber gerade habe ich einen historischen Roman zu Ende gelesen, der mich sehr begeistert hat. Der Autor ist ein promovierter Historiker, der exzellent recherchiert, Schauplatz ist Mailand im 15. Jahrhundert, es gibt Spannung, eine kleine Lovestory, lebendige Beschreibungen und vor allem eine herrliche Sprache: “Pandolfo”, von Michael Römling, im Rowohlt Verlag. Überall zu kaufen, wo’s Bücher gibt, aber wenn es schnell gehen soll: Hier ein Link zu Amazon (ich habe das E-Book gekauft, dann kann man gleich loslegen).

Herzliche Grüsse und bis bald,

Eure Claudia

P.S.: Ein kleiner Nachtrag redaktioneller Art: In letzter Zeit häuften sich ominöserweise Klicks auf ein Bild, das ich für ein Post über die Frankfurter Buchmesse verwendet hatte – ein Ausschnitt aus einem Fahrplan. Da ich nicht sicher bin, ob die Verwendung rechtens ist, habe ich das Bild herausgenommen. Ich hoffe, wer auch immer sich hier Infos geholt hat, findet sie auch an offizieller Stelle!

 

Heute vor 15 Jahren, so um halb elf Uhr abends, kroch ich aus meinem Bett in meiner Wohnung im Berner Felsenauquartier, tappte ins Wohnzimmer, kniete mich vor den Metalljesus an der Wand, sprach das Übergabegebet auf der letzten Seite des Buches «Jesus unser Schicksal» und wurde Christin.

Sinnsuche hüben und drüben

Kirchenrechtlich war ich das natürlich schon, aber meine Glaubenspraxis erschöpfte sich in der Kindheit in vereinzelten Stossgebeten und als junge Erwachsene im widerwilligen Besuch der Semestergottesdienste meiner Studentenverbindung. Was ich wirklich suchte, schien mir weder dort noch in dem zu finden zu sein, was man sonst so erreichen kann: «The meaning of life», wie es bei Monty Python heisst. Auf der Suche nach eben diesem Sinn befasste ich mich in meinen Zwanzigern in loser Folge mit Astrologie, Heilsteinen und Tarotkarten, oft im Schlepptau meiner jüngeren Schwester, die in regelmässigen Abständen eine neue Philosophie für sich entdeckte. Den ersehnten Sinn fand ich dabei allerdings nie. Als meine Schwester im Herbst 2003 schliesslich mit Jesus ankam, schien mir das zur Abwechslung etwas wohltuend Normales zu sein, und so besuchte ich in meiner üblichen Bereitschaft, ihre neuste weltanschauliche Entdeckung kennenzulernen, mit ihr einen Gottesdienst.

“Sektenalarm” und musikalischer Donnerschlag

Nach den ersten Minuten war ich überzeugt, in einer Sekte oder in der ominösen Besserungsanstalt aus Stephen Kings «Talisman» gelandet zu sein: Professioneller Parkdienst! Alle im Anzug! Alle viel zu freundlich! Riesige Soundanlage! Plüschvorhänge und Teppichboden! Dann begann die Lobpreismusik. Ich fing an zu weinen und hörte erst auf, als es die Musik tat. Meine Neugier, mein Hunger und meine Sehnsucht nach dem Sinn, den ich vermisste, waren entfacht, und der Glaube, den meine Schwester lebte, zog mich an. Es gab nur ein Problem: Sie verkündigte Jesus als den einzigen Weg. Das war an sich nichts Neues; meine Schwester pflegte das, woran sie glaubte, immer auf diese Art zu verkündigen, und bisher hatte ich diesen Teil einfach ignoriert. Störenderweise schien Jesus aber in die gleiche Kerbe zu hauen, und je länger ich mich mit diesem Glauben beschäftigte, desto hartnäckiger bestand eine innere Stimme auf dieser  Ausschliesslichkeit – für einen analytisch veranlagten Kopfmenschen, der die eigene Überzeugung niemals über die eines anderen stellen würde, ein harter Brocken.

Auferstehung und «Arc» der Jünger

Beim Versuch, diesen zähen Brocken irgendwie herunterzubringen, kreisten meine Gedanken immer enger um die Auferstehung und um (Achtung: Autorensprech!) den «Arc» der Jünger Jesu. Vielleser wissen, was ich meine: Eine Geschichte funktioniert nur, wenn ich nachvollziehen kann, wie der Protagonist handelt. Passen seine Entscheidungen zu seinem Charakter, dazu, wie ich ihn bisher wahrgenommen habe? Über die Jünger berichten die Evangelien von einer zweifachen Kehrtwende: Während sie vor Golgatha selbstbewusst an der Seite Jesu Seite standen, verschwanden sie nach seiner Gefangennahme und Kreuzigung von der Bildfläche. Sie versteckten sich voller Angst, selbst verhaftet zu werden, und Petrus, sonst Grossmaul par excellence, verleugnete Jesus sogar. Dann, nur drei Tage später, tauchten sie plötzlich wieder auf, und von diesem Tag an verkündigten sie scham- und furchtlos Jesu Auferstehung und sein Evangelium. In den folgenden Jahrzehnten bereisten sie mit dieser Mission die ganze ihnen bekannte Welt. Berichten nach starben die meisten von ihnen einen Märtyrer-Tod.

Diese Männer hatten ihre Furcht von einem Tag auf den anderen hinter sich gelassen, und für mich gab es nur einen logischen Grund: Es musste etwas passiert sein, das sie von Grund auf verändert hatte. Eine Lüge, die sie sich und anderen erzählten, hätte niemals genug Kraft gehabt, um ihnen ihre Angst zu nehmen und sie furchtlos in die Welt hinausziehen, Christus verkündigen und für diesen Glauben Folter und Tod auf sich nehmen zu lassen. Die Auferstehung musste wahr sein, und wenn sie das war, dann glaubte ich auch alles andere, was Jesus über sich gesagt hatte. Und dann wollte ich den Schritt wagen. Was damals geschehen ist.

Glauben und Schreiben

Trotz meines Fundichristseins will ich in meinen Büchern und Texten nicht in erster Linie missionieren. Ich möchte spannende Geschichten erzählen, die Menschen ermutigen, berühren und zum Nachdenken anregen. Aber die Quelle  meiner Inspiration und der Grund, warum ich Menschen ermutigen und aufbauen will, ist Gott; er ist das Fundament meiner Weltsicht, die meine Bücher durchzieht: Dass die Hoffnung niemals stirbt, dass jeder Mensch Würde besitzt, einzigartig und wertvoll ist, dass jeder Mensch sich verändern, erneuern, heilen und zu dem werden kann, der er wirklich ist – geschaffen von dem Gott, der ihn unendlich und bedingungslos liebt. Und letztlich ist diese Botschaft der Grund, warum ich schreibe.

Der Weg mit Jesus – keine «Erfolgsstory», sondern tägliche Begegnung

Als ich mich damals entschied, diesen Weg zu gehen, war ich in vielerlei Hinsicht herausgefordert. Ich lebte in einer schwierigen Beziehung, ich trank zu viel Alkohol, und ich wusste auf dem Weg in die Mittdreissiger nicht, was ich mit meinem Leben eigentlich anfangen sollten. Und heute? Bin ich ein Mensch ohne Fehl und Tadel? Das sei fern, wie Paulus oft schrieb. Ich kämpfe jeden Tag mit mir selbst, mit Mustern aus alten Tagen, schlechten Gewohnheiten, die ich noch nicht los geworden bin. Aber Gott hat mich Schritt für Schritt aus inneren Gefängnissen befreit, mich auf neue Wege geführt und mein Leben von Grund auf erneuert. Er hat wichtige Entscheidungen möglich gemacht – unter anderem meine Entscheidung für ein Leben ohne Alkohol. Die Abstinenz hat meine Kreativität freigesetzt, und erst danach hatte ich die nötige Disziplin, das Durchhaltevermögen und vor allem den Glauben an mich und meine Gaben, genährt aus dem Wissen, dass Gott mich geschaffen und mir diese Talente mitgegeben hat, um in der Welt Spuren zu hinterlassen.

Wer ich heute bin, verdanke ich diesem Abend vor 15 Jahren und dem Gott, mit dem ich seit diesem Tag durchs Leben gehe. Und am heutigen Tag gehört dem allein mein Dank und die Ehre, der mich zu diesem Leben befreit hat. Zu einem freieren, erfüllteren und glücklicheren Leben, als ich es jemals hatte; kühner, furchtloser und voller Leidenschaft. In diesem Sinne: danke Jesus. Ich erhebe mein Glas Sanbitter auf weitere 15 Jahre, hoffentlich noch viele mehr auf Erden und auf die Ewigkeit mit Dir.

“Same procedure as every year”: Auch dieses Jahr habe ich mich wieder auf die Suche nach einem Jahresmotto gemacht. Nachdem ich mich 2018 für «Balance» entschieden und dieses Ziel etwas verfehlt habe, wollte ich für 2019 etwas Ähnliches finden, vielleicht in der Hoffnung, es beim zweiten Anlauf besser zu machen. Dann stiess ich in einem Post von Pfarrer Jörg Bachmann auf die neue Jahreslosung.

«Suche Frieden und jage ihm nach!» Psalm 34,15

Das hebräische Wort für Frieden, «Shalom», bedeutet auch Unversehrtheit und Heil; es beinhaltet Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit und Ruhe, und «Shalom» im Herzen, mit anderen und mit Gott, ist für mein Wohlbefinden unverzichtbar. Ich schreibe mir deshalb für 2019 diesen Frieden ins Herz, als Befehl und Auftrag, als Mission und Vision. Aber wie erreiche ich das? Ein bisschen Hirnarbeit und ein paar Inspirationen von anderen Bloggern haben mich auf folgende Ideen gebracht:

Für den Frieden in mir:
Planung und Priorisierung für ein Leben mit allen Sinnen

Ich will ein ausgeglicheneres Leben führen, das den Bedürfnissen von Körper, Seele und Geist gerecht wird. Im Rückblick auf das Versäumte heisst das vor allem weniger Bildschirmzeit und mehr Bewegung an der frischen Luft. Wenn ich mit allen Sinnen die Umwelt in mich aufnehme, ebbt meine Gedankenflut ab, bis ich tatsächlich im Hier und Jetzt bin, meinen Schritten lausche und den Geräuschen um mich herum, die Tannen und den Weg vor mir betrachte, die Kälte oder Wärme auf der Haut spüre. Und ganz oft, obwohl das gar nicht der Zweck war, fallen mir Ideen für mein Buch oder zu etwas anderem zu, das mich vorher beschäftigt hat.

Damit ich das schaffe, muss das “Leben mit allen Sinnen” priorisiert werden. Das bedingt, gut zu planen und kritisch zu prüfen, was ich sonst alles mache. In meinen Facebook-Memories ist kürzlich dieser Satz aufgetaucht (hier auf 2019 getrimmt):

Vorsätze für 2019
Einige Dinge tun.
Viele Dinge nicht tun. Wird auch sonst etwas eng.

Nach diesem Prinzip will ich meine Prioritäten prüfen und mir die folgenden Fragen stellen, die ich in ebenfalls auf Facebook entdeckt habe:

«Warum ich?»
Könnte das jemand anderes genauso gut oder besser?

«Warum jetzt?»
Ist es so dringend? Ist es der richtige Zeitpunkt?

«Warum auf diese Art?»
Kann man es anders, besser, einfacher machen?

«Warum überhaupt?»
Muss oder sollte es überhaupt gemacht werden?

Natürlich sind solche Fragen nur ein Hilfsmittel, und es gibt immer Aufgaben, die nun mal unsere sind und bleiben, aber die Frage zu stellen, kann schon einiges auslösen.

Für den Frieden mit anderen:
Meine Schlachten weise wählen, ohne Angst vor Konflikt

Ein “Bild des Friedens” auf einem der umgesetzten Spaziergänge 🙂

Meine Schlachten auszuwählen – zu entscheiden, ob es sich lohnt, sich aufzuregen und in den Ring zu steigen − fällt mir nicht so schwer, da ich mit einer eher hohen Reizschwelle ausgestattet bin. Dennoch ist es ein wichtiger Punkt. Schlachten zu wählen heisst, andere auszulassen, und wenn ich mich entscheide, nicht gegen etwas zu kämpfen, das mich stört, denke ich vielleicht, ich hätte verloren. Je nach Veranlagung kann dieser Gedanke an mir nagen und den Frieden, den ich anstrebe, behindern.  Daher will ich die Bedeutung von “Sieg” überdenken. Sieg kann auch heissen, dass ich mich entschliesse, einer vergifteten oder für mich nicht mehr stimmigen Situation den Rücken zuwenden, wenn ich realisiere, dass Wandel nicht möglich ist oder mich zu viel Zeit und Nerven kostet.

Mir fällt es schwerer, mich für den Kampf zu entscheiden. Ich streite mich ungern, und es belastet mich, wenn andere (vor allem die, die mir am Herzen liegen) mir böse sind oder meinen Weg missbilligen. Aber wenn etwas im Argen liegt, ist es wichtig, es zeitnah anzugehen. Je länger ich warte und das, was mir Sorgen macht, mich stört oder verletzt, stehen lasse, desto mehr ärgere ich mich, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ich das Thema ruhig vorbringen kann, und desto unwahrscheinlicher ist es wiederum, dass mein Gegenüber für meinen Ipnut empfänglich ist und etwas Gutes herauskommen kann.

Sich manchmal zufrieden geben

Das habe ich kürzlich bei Christof Lenzen gelesen: Für unser Wohlbefinden und damit auch für den Frieden in uns ist zentral, dass wir von uns selbst nicht in allen Belangen Höchstleistungen erwarten, sondern uns auch mal mit Mittelmass zufrieden geben. Wenn wir versuchen, in allem Exzellenz, Fehlerlosigkeit oder Perfektion zu erreichen, brennen wir im Nullkommanichts aus. Manchmal müssen wir bei «gut genug» aufhören und uns der Sache zuwenden, bei der die Perfektion für uns wichtiger ist.

Auf ihn schauen – den Friedefürst

Ein Beitrag auf einer katholischen Website hat mich wieder an diese zentrale Wahrheit erinnert. Er stammt von Inka Hammond, deren Buch «Tochter Gottes, erhebe Dich» heute bei SCM Hänssler herausgekommen ist und deren Blog «Alltagsliebe» ich sehr schätze. In ihrem Beitrag schreibt sie, wie die Stille zu den Füssen Jesu sie immer wieder erdet und ihr Ruhe schenkt. Diesen Platz will ich mir auch immer wieder suchen – nicht umsonst ist einer der Namen unseres Gottes «Friedefürst», und auch in seinem Wort verheisst er uns diesen besonderen Frieden.

Frieden anzustreben ist keine Strategie für Feiglinge oder Harmoniebedürftige, sondern harte Arbeit. Der Frieden muss gesucht und gejagt werden, und die Jagd, das schreibt Pfarrer Bachmann, lebt nicht nur von schnellem Handeln, sondern auch von Geduld. Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr die Weisheit habe, zu erkennen, wann was dran ist.  

Was ist mit Euch? Habt Ihr auch “Worte des Jahres”, Vorsätze oder Ähnliches, oder geht Ihr einfach gelassen los und schaut, wo es Euch hinführt? Oder noch besser: Beides?

Heute endet 2018 − ein Jahr, von dem ich wusste, dass es ein Jahr der Veränderungen und Entscheidungen, der Unsicherheiten und Unwägbarkeiten sein würde. Wann würde meine Teilzeitstelle enden, und würde ich einen Anschlussjob finden? Wie würde es mit meinem Buch vorangehen? Würde ich einen Verlag finden? Viele Fragen haben sich geklärt, und an diesem Silvester bin ich dankbar für alles, was ich dieses Jahr empfangen durfte: dank harter Arbeit, einem Quentchen Glück und immer auch dank der Ermutigung und Unterstützung anderer.

Mein Buch hat eine Heimat gefunden!

Das grösste Highlight dieses Jahres war der Tag, an dem ich wusste, dass der Verlagsdeal für mein Buch in trockenen Tüchern ist. Aber fangen wir etwas früher an: Diesen Sommer habe ich die letzten Überarbeitungen am Text vorgenommen, und danach war meine Agentin am Zug: Buchmesse in Frankfurt, Treffen mit Verlagslektoren. Ich zuhause, bang und hoffnungsvoll zugleich. Was, wenn niemand einen historischen Krimi mit Setting in der Schweizer Provinz verlegen wollte? Dann erste gute Nachrichten: die meisten angesprochenen Lektoren wollten Exposé und Leseprobe haben. Ein Verlag wollte rasch mehr lesen, und eine Woche nach der Messe kam der erste atemberaubende Augenblick: Das Telefonat meiner Lektorin, der Verlag wolle das Buch machen. Hosianna in der Höhe! Überwältigt setzte ich mich auf unsere Gartenbank und genoss diesen tollen Moment. Jemand will mein Buch! Noch am gleichen Abend legte meine Agentin nach: ein anderer Verlag war auch interessiert! Ich war völlig von den Socken.

Es folgten ein paar nervenaufreibende Wochen. Die Angebote kamen herein, und zwei grosse Publikumsverlage signalisierten, dass sie ebenfalls Angebote vorlegen wollten. Wo würde es hingehen? Was war am sinnvollsten für mich und mein Buch? Am 30. November fiel die Entscheidung, am 3. Dezember war der Deal gemacht, und mit Penguin wurde es der Verlag, zu dem es mich innerlich am meisten gezogen hatte.

Die Bundesräte sind in Druck!

Quelle: Verlag Schwabe / NZZ Libro

Ganz «Providentia Dei», wie mein Chef zu sagen pflegt, endet mein Teilzeitjob im Buchprojekt «Neuedition Bundesratslexikon» auf Ende Januar 2019. Da am 5. Dezember 2018 noch Ersatzwahlen stattfanden, konnte das Buch erst vor Weihnachten in den Druck und erscheint gemäss Angaben des Verlags Schwabe / NZZ Libro am 23. Januar 2019; einen Tag nach meinem Geburtstag. Damit endet eine fünfjährige, spannende und lehrreiche Anstellung bei meinem vormaligen Professor der Zeitgeschichte, Urs Altermatt, seinerseits profunder Kenner der Bundesratsgeschichte. Neben administrativen und redaktionellen Arbeiten konnte ich auch historische Recherchen durchführen und tief ins 19. Jahrhundert eintauchen, was mir viel Freude bereitet und Synergien erzeugt hat, die meinem eigenen Buch zugutegekommen sind. Auch eine Anschlussanstelle zu 20% ist schon gewährleistet; das spült etwas Geld ins heimische Budget und lässt mir daneben viel Zeit für mein Buch.

Musik und der «Ruf des Alters»

Neben diesen Meilensteinen durfte ich auch wieder musikalisch tätig sein, sei es am Weltgebetstag in der reformierten Kirche Signau oder am Firmgottesdienst des Patensohnes meines Mannes, zuletzt auf dem Grenchner Weihnachtsmarkt. Ich durfte und musste dieses Jahr aber auch einsehen, dass ich nicht mehr dreissig bin und dass ich meinem Jahresmotto der Balance noch mehr Gewicht geben sollte. Neben Ausbrüchen von Hautreizungen habe ich zeitweise gegen Erschöpfung angekämpft, und dass ich in der zweiten Jahreshälfte keine Ferien hatte, war nicht besonders weise. Gerettet und geerdet hat mich dann eine Auszeit mit meinem Mann im Ostallgäu – Begegnungen mit tollen Menschen, spannende Inputs vom Auszeitleiter Christof Lenzen, Zeit zu zweit und endlich mal wieder woanders sein.

An diesem Silvestertag blicke ich in ein Jahr voller Neuanfänge: Die Arbeit mit der Verlagslektorin an meinem Buch, das voraussichtlich im Herbst 2020 erscheinen wird; Abschluss meiner Anstellung und Neubeginn. Vieles, auf das ich mich enorm freue, das mich aber auch herausfordert. Aber die Freude überwiegt bei weitem. Und in all dem will ich nicht vergessen, Momente der Ruhe einzuplanen, mir Wind um die Nase wehen zu lassen, Vertrauen zu haben. Neugierig zu bleiben, immer mich selbst zu sein und auch andere anzunehmen, wie sie sind.

Und Ihr?

Wie war Euer 2018? Ekstatisch oder durchzogen, spannungsreich oder ruhig? Ich wünsche Euch in jedem Fall, dass auch Ihr heute zuversichtlich ins neue Jahr blickt und Euch auf das freuen dürft, was kommt. Und wenn es nach einer kurvigen Strasse aussieht, dann schicke ich Euch ein Licht auf diesen Weg, der Eure nächsten Schritte einfacher macht. Ich hoffe, wir lesen uns auch im neuen Jahr wieder!

Herzlich alles Gute, Claudia

Vor 104 Jahren, kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges, geschah an der Front Unglaubliches: es wurde Weihnachten.

Die Geschichte erscheint in diesen Tagen regelmässig in den Medien, aber sie berührt mich immer wieder neu. Die schriftlichen Zeugnisse darüber, so lese ich in einem Bericht meiner Zeitung, sind spärlich, aber einige blieben erhalten – unter anderen einer von Walter Imlah, Obergefreiter der britischen Armee, der mit seinem Kameraden vom ersten Bataillon der schottischen Gordon Highlanders im Graben lag. Und das ist damals geschehen:

Am Weihnachtstag erhoben sich urplötzlich deutsche Soldaten aus ihren Schützengräben und traten unbewaffnet hinaus ins Niemandsland zwischen den beiden Lagern; eine Aktion, die normalerweise den sofortigen Tod bedeutet hätte. Auf der gegnerischen Seite brach Unruhe aus, doch schliesslich machten sich schottische Offiziere auf den Weg zu den Gräben, um herauszufinden, was die Deutschen wollten. Diese erklärten, sie wollten einen Waffenstillstand, um ihre Toten aus dem Niemandsland zu bergen und zu begraben. Die Schotten gingen auf das Angebot ein, und in der Folge brachten sie die toten deutschen Soldaten zu den deutschen Gräbern; die Deutschen erwiderten den Dienst auf ihrer Seite. Glück oder Vorsehung wollte es, dass am selben Tag ein britischer Pfarrer an die Front versetzt worden war. Nachdem die Gräber zugeschüttet waren, wurde eine gemeinsame Messe organisiert, und die Männer, einen Tag zuvor noch erbitterte Feinde, hörten gemeinsam den 23. Psalm der Bibel. Nach der Messe verbrüderten sich die Soldaten, tauschten Adressen, Tabak und andere Kleinigkeiten aus.

Der Krieg ging danach weiter − nicht ein paar Wochen, wie die Soldaten wahrscheinlich hofften, sondern vielen blutige Jahre. Dennoch bleibt dieser winzige Augenblick im Weltenlauf, in dem die Soldaten innehielten und sich fragten, warum sie eigentlich gegeneinander kämpften, und erkannten, dass ihr Gegner ein Mensch war wie sie selbst – kein Kriegsmonster, sondern ein Mensch, der lieber bei seiner Familie gewesen wäre, ein Individuum mit Träumen, Hoffnungen und Gefühlen. Der Obergefreite Imlah schrieb später an seinen Vater, dass der Wunsch der Deutschen, die Toten zu begraben, seiner Meinung nach nur ein Vorwand war. Viel wahrscheinlicher schien ihm, dass der Grund dafür der Weihnachtstag war, Tag des Friedens und der Liebe zwischen den Menschen.

Weihnachten ist eine schmerzvolle Zeit, wenn wir mit denen, die wir lieben, in Konflikt stehen. Das Fest der Liebe löst eine unerträgliche Spannung aus. Der Wunsch nach Versöhnung reibt sich mit unseren Verletzungen, unserer Wut und Trauer, und dies um so intensiver, je näher uns Menschen stehen. Niemand kann uns tiefer verletzen als die, die wir lieben.

Ich wünsche allen, die in einem schmerzvollen Konflikt stehen, dass Weihnachten ein göttliches Licht auf Eure Situation wirft; ein Licht, das Euch die Menschen, mit denen Ihr im Streit steht, als das erscheinen lässt, was sie sind: Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften; Menschen, die Fehler gemacht haben, aber dennoch die Menschen, die Ihr liebt. Möge Weihnachten die Front aufweichen und Euch Hoffnung auf einen Durch- und Aufbruch schenken.

Letzten Freitag hat unsere Kirche ein Konzert mit einem befreundeten Musiker organisiert, und als ich mich in der Pause zwischen den Sets im Publikum umsah, fiel mein Blick auf ein Gesicht, das mir bekannt vorkam. Konnte das wirklich meine Kindergärtnerin sein? Ich ging zu ihr und fragte sie ganz frech, und es stellte sich heraus, das sie es war.

Ich habe die Kindergartenzeit und meine Kindergärtnerin in guter Erinnerung : Sie war eine fröhliche und liebevolle Frau, die auf uns eingegangen ist und bei unseren Streichen mitgespielt hat. Meine Spezialität bestand darin, ihr kleine Zettel zu schreiben, dass wir sie töten, braten und essen würden (fragt mich nicht, wie ich daruf kam; das ist mir heute selbst etwas unheimlich). Und sie hatte eine grosse Anzahl Kinderbücher, die ich meiner besten Freundin dann vorgelesen habe, was mich auf das bringt, was mich in frühester Jugend so stark geprägt hat: Bücher.

Ich habe schon früh mit dem Lesen angefangen – erst waren es die Buchstaben auf der Schreibmaschine meiner Mutter, die meine Neugier weckten und die sie mir geduldig erklärt hat. “Das ist ein Mami-M”, das ist ein Papi-P.” Der Durchbruch kam im Kafitreff meiner Ma mit ihren Schwägerinnen im “Monbijou”, unserer Quartierbeiz, als ich (so die Legende) auf einen Plastiksack einer bekannten Senfmarke zeigte und triumphierend “Thomy!” in die Welt posaunte.

Nach diesem Einstieg war kein Halten mehr; ich verschlang SJW-Hefte (Schweizer Jugendschriftenwerke), irgendwann mein erstes Buch (ich glaube, es war “Dominik Dachs”) und noch unzählige weitere. Zu den aufregendsten Momenten meiner Kindheit gehörte der Tag vor den Sommerferien, wenn wir in unserer Stadtbibliothek bei der Bibliothekarin nicht nur die üblichen zwei Bücher mitnehmen durften, sondern so viele, wie wir tragen konnten. Was gibt es Schöneres?

In der letzten Zeit ist  mir aufgefallen, dass unter diesen hunderten von Kinderbüchern ein paar wenige herausstechen, die einen so tiefen Eindruck hinterlassen haben, dass ich mich noch heute an sie erinnere. Natürlich habe ich viele über alles geliebt: Die Reihen um die Drei Fragezeichen, die Fünf Freunde, die Schwarze Sieben, Hanni und Nanni, Dolly und eine Weile alle möglichen Pferdestories. Aber mir fallen gerade drei ein, die mich besonders geprägt haben, und kürzlich habe ich mich im Internet auf die Suche nach ihnen gemacht. Es war nicht bei allen einfach, aber am Ende wurde ich fündig. And so I proudly present: Die Bücher, die mich in meiner Jugend beeindruckt haben:

Der Spuk im alten Schrank (Barbara Sleigh, Originaltitel: Jessamy)
Das Buch handelt von einem kleinen Waisenmädchen, das 1964 in den Ferien bei einer Tante in einen Schrank steigt und plötzlich 50 Jahre in der Vergangenheit herauskommt, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Ich kann mich nicht mehr an die Details erinnern, aber ich glaube, es war auch ein Geheimnis im Spiel und ein Brief in einem alten Baum; jedenfalls habe ich es mit Feuereifer gelesen.

Das Haus der Treppen (William Sleaton, Orignaltitel: House of Stairs)
Dieses beklemmende dystopische Buch hat mich damals tief beeindruckt. Es handelt von fünf Teenagern, alle Waisen, die sich, ohne zu wissen wie, plötzlich an einem seltsamen Ort befinden: im Innern eines Hauses, das nur aus Treppen und Podesten besteht. Keine Decke, kein Boden. Es gibt einen Nahrungsautomaten, der Fleischbällchen ausspuckt, aber nur, wenn die Kinder das Richtige tun, und was das ist, ändert sich ständig. Die Sache wird gefährlich, als sie erkennen, dass die Maschine es mag, wenn sie sich streiten oder gewalttätig werden. Das Ende sei nicht verraten., aber als ich zu diesem Buch die Rezensionen bei Amazon las, hat es mich fasziniert, wie unterschiedlich Menschen ein Buch wahrnehmen: Es gab viele begeisterte, aber auch viele total “abgetörnte” Leser, die das Buch mit  Worte wie “soo langweilig, alles spielt am gleichen Ort” oder “das ist doch total unrealistisch, so ein Haus kann es ja nicht geben” kommentierten. Mich hat damals nichts davon gestört, aber daran sieht man, wie unterschiedlich Geschmäcker sind.

“Die unendliche Geschichte” von Michael Ende
Endlich ein deutsches Buch! Der dicke Wälzer über die Erlebnisse von Bastian Bux in der geheimnisvollen Parallelwelt Phantasien hat mich damals begeistert. Ich habe mich gefragt, ob Kenny Morrison als Atrjeu mein erster Filmschwarm gewesen ist, aber das war er definitiv nicht: das war Patrick Bach als “Silas” und als “Jack Holborn”. Aber ich schweife ab: Ich habe die unendliche Geschichte viele Male gelesen und bin in die Welt von Bastian, Atreju, Fuchur und der Kindlichen Kaiserin verschwunden, und ich mag das Buch noch heute.

“Mio, mein Mio” von Astrid Lindgren (Originatitel: Mio, min Mio)
Sind das nicht vier? Tatsächlich. Aber plötzlich ist mir noch “Mio, mein Mio” von Astrid Lindgren eingefallen. Von ihr habe ich auch dutzende Bücher gelesen wie die “Bullerbü”-Reihe oder “Karlsson vom Dach”, aber dieses hier hat mich verzaubert. Es handelt vom Waisenknaben Mio, der sich plötzlich in einem anderen Land findet, wo sein Vater der König ist. Mit seinem Freund Jum-Jum schafft es Mio, das Land vom bösen Ritter Kato zu befreien. An viel mehr kann ich mich nicht erinnern, aber an die mythische Atmosphäre das Landes, das etwas vom “Gelobten Land” hatte.

Was ist das Gemeinsame an diesen Büchern? Was hat mich so gepackt? Da sind zum einen die stillen, einsamen Anti-Helden. Ich habe auch “Die rote Zora” und “Pippi Langstrumpf” gelesen, aber mit den beiden konnte ich mich weit weniger identifizieren. Dann ist in allen Büchern eine “andere Welt” enthalten: einmal ist es die Vergangenheit, einmal die Zukunft, zweimal eine ganz andere, fantastische Welt. Dann natürlich ein Spannungselement: ein Geheimnis, eine Mission, etwas, das es zu erreichen gibt. Und in allen Büchern erkenne ich eine Art “Gute Botschaft”, die mich begeistert hat: im Haus der Treppen zum Beispiel der Aufruf, sich nicht allem anzupassen und Mut zu haben, sich gegen ein “System” zu stellen, und in allen auch der gute Ausgang für die kleinen Helden  aus einer nicht einfachen Situation.

Ich habe selbst keine Kinder und weiss nicht, was heute auf dem Jugendliteraturmarkt so angeboten wird. Ich hoffe aber, dass es auch solche Geschichten sind: die mitreissen, die die Fantasie anregen und die gleichzeitig, ohne moralisierend zu sein, eine ermutigende Botschaft vermitteln; einen Blick in ein (wenn man unsere Welt betrachtet) alternatives, aber zumindest für mich wahrhaftiges Universum, wo unveräusserliche Werte gelten und jeder Mensch diesen unveräusserlichen Wert hat.

Ich glaube, solche Bücher braucht es heute mehr denn je, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Und darum schreibe ich.

Was habt Ihr in Eurer Jugend gelesen? Was hat Euch gepackt und mitgerissen? Vielleicht finde ich noch ein unentdecktes Juwel, also nur her mit Euren Büchern!

Heute starten wir ins letzte Drittel des Jahres. Kommt es Euch auch so vor, als rase die Zeit an Euch vorbei? Die vergangenen Monate waren wieder höchst bepackt. Was war, und was wird? Gern liefere ich Euch das Wichtigste in Kürze.

Narrativa 2018 – eine tolle Erfahrung!

Dass mein letztes Newspost eine Weile her ist, sehe ich schon daran, dass die Narrativa von Anfang Juni am Ammersee bereits ein Vierteljahr Geschichte ist. Eine gute Geschichte! Die Vorträge und Workshops mit Agenten und Lektoren waren sehr spannend und lehrreich, und ich habe nette Kontakte knüpfen können (was ja nicht meine Spezialität ist). Ein wirklich lohnenswerter Anlass, den die Textmanufaktur Leipzig da ins Leben gerufen hat, und ich habe fest vor, nächstes Jahr wieder dabei zu sein, wenn er in Berlin stattfindet!

Der “Seelensnack” ist umgezogen

Im Juli habe ich den lang gehegten Plan umgesetzt, meinen Blog auf meine Website zu zügeln. Dank professioneller Hilfe von Jonathan Schneider hat alles geklappt, so dass nun alle meine “Schreibsachen” unter einem Dach vereint sind. Falls Ihr den Blog bisher nicht kanntet, stöbert doch ein bisschen herum; unter Blog finden sich alle Posts, die ich seit 2013 geschrieben habe. Und falls Ihr zu denen gehört, die normalerweise meine Posts lesen und jetzt hier gelandet sind: Herzlich Willkommen! Schaut Euch um, was ich sonst so treibe, und fühlt Euch wie Zuhause. Und seid versichert: Ein neuer “Seelensnack” ist auch schon in Arbeit!

Mein historischer Kriminalroman: Final Draft in Arbeit!

Die Endfassung meines historischen Kriminalromans geht gut voran; drei Viertel sind geschafft. Gleichzeitig geht die Verlagssuche in die entscheidende Phase: An der Buchmesse in Frankfurt wird meine Agentin, bewaffnet mit einem Exposé und einer Leseprobe, die Verlagsgewässer testen. Die Zeit für historische Romane ist nicht die einfachste, der Markt ist übersättigt und schreit nach neuen und frischen Ansätzen. Ich hoffe natürlich, dass wir mein Projekt als genau diesen frischen Ansatz unter Dach und Fach bringen. Daumendrücken ist angesagt!

Konzertlesung in Grenchen am 4.9.18

Nächsten Dienstag habe ich wieder einmal die Gelegenheit, Lieder und Texte aus meinen Büchern und meiner CD zu präsentieren: am kommenden Dienstag eröffne ich die Saison der Erwachsenenbildungsanlässe der Römisch-katholischen Pfarrei “St. Eusebius” in Grenchen mit einer Konzertlesung. Wer Lust auf eine musikalisch-literarische Wellnesspackung hat, kommt um 19:30 in den Eusebiushof. Ich würde mich freuen!

Soweit meine News in Kürze. Ich bin schon fast wieder auf dem Sprung an den nächsten Event, einmal in ehrenamtlicher Funktion: Dieses Wochenende feiert meine Stadt das “Grenchner Fest”, und das Kleintheater Grenchen ist mit einer FahrBAR und dem Trio “Mattermania” unterwegs. Das mein kleiner Ausgehtipp für alle, die in der Nähe sind. Ansonsten bis bald, hoffentlich mit guten Neuigkeiten meinerseits!

Herzlich, Claudia

Das halbe Jahr ist um! Das bringt mich zur Frage, wie ich es bisher mit der Balance gehalten habe. Balance zwischen Gesundheit und Genuss, Arbeit und Ausspannen, Balance zwischen Anspruch und Zuspruch im Christenleben – und zwischen klarer Doktrin und Einheit der Christen. Wann sollten wir uns abgrenzen, wann mit anderen zusammenarbeiten, auch wenn wir nicht in allen Punkten übereinstimmen?

Heute jährt sich zum 130. Mal der Todestag eines Mannes, den ich für seinen Umgang mit solchen Konflikten bewundere und dessen Scharfsinn, Humor und Gottesfürchtigkeit mich beeindrucken. Philipp Anton von Segesser, geboren 1817 als ältester Sohn einer Luzerner Patrizierfamilie, durchlief die klassische Laufbahn eines Mannes seiner Klasse und Konfession –  Gymnasium, dann Studien des Rechts und der Geschichte an deutschen Universitäten, weil die Schweiz noch keine katholische Lehranstalt hatte. Er kehrte zurück, heiratete, wurde Ratsschreiber. Doch dann wurde seine Welt auf den Kopf gestellt: Die liberalen Kräfte im Land siegten, und nach dem Sonderbundskrieg stand Luzern auf der Verliererseite und wurde von eidgenössischen Truppen besetzt.

Trotz grosser Verbitterung über die Kriegsniederlage und trotz des teilweise harten Umgangs der neuen Eidgenossenschaft mit den Verlierern setzte sich Segesser im neu geschaffenen Nationalrat als einer der wenigen katholisch-konservativen Politiker für die Interessen seines Kantons ein. 1863 bis 1867 war er Regierungsrat, aber seine grosse Stunde schlug 1871, als die Konservativen in Luzern die Macht zurückerlangten und man ihn erneut in dieses Amt wählte. Er war nicht sonderlich erpicht auf diesen Posten, aber er nahm an und durfte sich gleich einer grösseren Krise widmen – den Geburtswehen des Kulturkampfs.

Nachdem die Kurie im Sommer 1870 das Unfehlbarkeitsdogma verkündigt hatte, formierte sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz Opposition. Viele Katholiken im Land forderten eine Nationalkirche. In der Schweiz vermischten sich die Konflikte mit dem Kampf um die Verfassungsrevision, die eine starke Zentralisierung vorsah und den Einfluss der Kirche im Staat nicht nur minimieren, sondern die Vorzeichen umkehren sollte. Segesser, obwohl frommer Katholik, stand dem Dogma kritisch gegenüber, war aber überzeugt, dass die theologischen Konflikte innerkirchlich und nicht durch Abspaltung gelöst werden sollten. Damit stand er in Opposition zu einflussreichen Kreisen in seinem Kanton und im Bistum Basel, in dem sich intensive Kämpfe abspielten. Die liberale Solothurner Regierung setzte ihren Bischof Eugène Lachat ab, weil er einen Pfarrer exkommuniziert hatte, der öffentlich gegen das Dogma Stellung bezogen hatte. Lachat wurde mit Polizeigewalt aus seinem Bischofssitz vertrieben und begab sich unter Segessers Fittiche nach Luzern.

Segesser war bewusst, dass Luzern in dieser explosiven Situation besonnen vorgehen musste, um von den tonangebenden liberalen Kantonen nicht des katholischen Fanatismus bezichtigt zu werden. Seine Überlegungen können wir seiner umfangreiche Korrespondenz entnehmen, in der sein kluger Sinn für Mässigung und sein starker Glaube zum Ausdruck kommen. Doch was ich an am meisten bewundere, ist Segessers Blick über die konfessionellen Mauern. Zu seinen engsten Freunden zählten die Protestanten Eduard von Wattenwyl und Johannes Schnell, und in ihrem Briefwechsel wird deutlich, dass sie sich bewusst sind, auf den gleichen Gott zu vertrauen, und dass sie sich von den Scharmützeln zwischen den Konfessionen in ihrer Freundschaft nicht beirren lassen. Wie es Segesser nach dem Tod Wattenwyls in einem Brief an Schnell ausdrückte:

«Wir haben so viel Gemeinsames im Glauben und in der Liebe,
dass wir uns von dem, was wir nicht gemeinsam haben,
nicht stören lassen dürfen.»

Überhaupt fühle ich eine Nähe zu diesem Mann, der seine Freundschaften offenbar ganz ähnlich lebte wie ich. Freund Schnell schrieb ihm nach dem Tod Wattenwyls:

«Sonst kann ich zu meiner Gemeinschaft [mit Segesser] nichts hinzufügen,
sie enger nicht schliessen, als es innerlich schon ist.
Zeichen davon sehen Sie wenig.
Ich lege es auch nicht darauf an, sowenig als Sie.
Wir sind Einer des Andern sicher.»

Natürlich hatte auch Segesser seine Schattenseiten. Er konnte giftig und herablassend sein und war schnell mit Begriffen wie «flottanter Pöbel» zur Hand. Den Patrizier streifte er nie ab, aber er interpretierte in diese Stellung auch eine grosse Verantwortung für «sein Volk». Die Industrialisierung mit ihren Eisenbahnen und mit dem Tourismus, der in Luzern zu florieren begann, beargwöhnte er; ihm war die alte Zeit lieber. Als der Schweizer Bundespräsident und der Vizepräsident eine Sondermission der Japaner mit fünf Botschaftern in der Schweiz begrüssten – vor allem, um den gegenseitigen Handel zu fördern – und auf der Rigi die Eröffnung der Bahnstrecke Staffelhöhe-Rigikulm feierten, war Segesser nicht dabei. In einem Brief schrieb er:

«Die Ovationen für die Japaner kommen mir ohnehin lächerlich und ekelhaft vor.
Wofür sollen wir Leute feiern, die nicht einmal die Proskription des Christentums aufheben! Sie müssen uns als bettelhafte Krämer ohne Charakter betrachten.»

Segessers Welt gibt es nicht mehr, aber wenn ich seine Korrespondenz lese, berührt es mich, wie sich die Konflikte zwischen den Menschen über die Jahrhunderte in den gleichen Bahnen bewegen. Streitereien wegen Glaubensfragen, politische Scharmützel, aber auch ganz persönliche Nöte, wenn Segesser über die schwankende geistige Gesundheit seiner Frau schreibt oder über die jungen Hunde, die seine Tochter wollte und die sich im ganzen Haus breitmachen, ihm überallhin nachlaufen und sogar sein «Refugium» bedrohen.

Und in Segessers Haltung in Glaubensfragen finde ich die «Balance», die ich praktizieren möchte: in der Glaubensgemeinschaft, der ich angehöre, für gesunde Doktrin einstehen, in der Zusammenarbeit mit anderen nach Menschen suchen, die den gemeinsamen Nenner teilen. Und Freundschaften? Die gehen ohnehin über alle Glaubensgrenzen hinweg. Das hat Segesser vorgemacht, und wie er «Mann zwischen den Fronten» war, sind es wir Christen in einer säkularen Welt. Auch wir stehen immer wieder vor der Frage, wann und wie wir für unsere Werte Stellung beziehen und dennoch mit Liebe sprechen.

Eine «Balance», die uns mehr abverlangt als bequemes Schweigen oder selbstgerechtes Moralisieren – die sich aber lohnt.

…ist als Posttitel vielleicht etwas übertrieben, aber nachdem das erste Jahresdrittel so rasch verflogen ist, passt es nicht schlecht. Ich habe lange nicht mehr gepostet, weil ich bis über die Ohren in der Überarbeitung meines Manuskripts steckte und auch sonst viel zu tun war. What’s up and wohin geht die Reise also?

Mein Buch nimmt fahrt auf – Einsatz der Testleser, Narrativa und Leseprobe!

Tatsächlich bin ich in diesen Monaten ein gutes Stück weitergekommen: Meine Agentin hat kundgetan, dass die Zeit reif ist für den Einsatz von Testlesern oder besser: Testleserinnen. Der historische Roman – auch der Krimi – ist bezüglich Lesepublikum stark in Frauenhand. Letztes Wochenende habe ich also Manuskripte in allen Formen verschickt und harre nun der Feedbacks. Es war ein besonderer Moment, das Dokument vorzubereiten und dann abzuschicken: das erste Mal wird das, woran ich seit zwei Jahren sitze, jemand anderes als meine Agentin und ich zu Gesicht bekommen! Aber ich freue mich – mit einer Portion Bammel im Herzen – auf die Rückmeldungen und die Chance, mein Buch noch zu verbessern.

Anfang Juni werde ich auf Kloster Andechs an der Narrativa 2 teilnehmen, einer Autorenkonferenz, die durch die Textmanufaktur Leipzig gehostet wird. Ich freue mich schon auf den Austausch und auf die Workshops und Vorträge, die teilweise auch Feedbacks für mein Projekt ergeben sollten. Bis Anfang Juni sollten auch die Feedbacks der Testleserinnen eingegangen sein, und ich werde mich an Exposé und Leseprobe machen, mit denen meine Agentin dann an die Verlage gelangt. Das wird mit Sicherheit eine spannende Zeit!

What about Music?

Den musikalischen Bereich habe ich in den vergangenen Monaten etwas stiefmütterlich behandelt, wenn man von zwei Konzerten als Chorsängerin im Konzertchor Leberberg absieht. Wir haben die Cäcilienmesse von Gounod aufgeführt – in Originalbesetzung mit sechs Harfen! – ein tolles Klangerlebnis. Bereits haben die Proben für Bachs Weihnachtsoratorium begonnen (Teile I-III). Aber bevor wir damit die Adventszeit einläuten, werde ich andere Gelegenheiten zum Musizieren haben. Am 9. Juni trage ich mit ein oder zwei Liedern zur Gestaltung eines Firmgottesdienstes in Fribourg teil, und am 4. September gestalte ich einen Erwachsenenbildungs-Anlass der römisch-katholischen Kirchgemeinde in Grenchen. Es werden Songs, Texte und persönlich Geschichten zu hören sein. Details folgen!

Und sonst so?

“Sonst” läuft auch genug – alle sechs Wochen liefere ich im Grenchner “Stadtbummel” ein paar persönliche Gedanken zu den Geschehnissen rund um Grenchen, und als Mitglied des Vorstands im Grenchner Kleintheater bastle ich gerade an der nächsten Saison. Auch unsere Kirche beansprucht einen guten Teil meiner Zeit, und dann wäre es ja auch schön, wenn man für Familie, Freunde und sich selbst noch etwas Energie übrig hat. Die Balance zu finden – etwas, das ich mir als Jahresmotto gesetzt habe – fällt mir nicht immer leicht, aber man lernt ja nie aus! Zur Balance sollte beitragen, dass ich bald etwas Urlaub habe. Luftveränderung, Abschalten, was anderes machen wird gut tun.

Soviel für den Moment – ich verspreche, dass das nächste Post weniger lang auf sich warten lassen wird!

Herzlich, Eure Claudia

Die letzten beide Tage habe ich mit dem Kleintheatervorstand Grenchen in Thun verbracht und an der Kleinkunstbörse Künstler für unsere neue Saison ausgesucht. Wie immer haben wir spannende, lustige und zum Nachdenken anregende Beiträge gesehen und dabei bei angenehmen Temperaturen die wunderschöne Szenerie mit schneebedeckten Alpen und Thunersee genossen.

Unsere Stadt, die wir dabei immer im Hinterkopf haben (passen diese Künstler zu Grenchen? Gefällt dieses Programm unserem Publikum?) hat sich dieses Jahr allerdings noch in anderer Form bemerkbar gemacht. Die Wellen der Empörung über den Dok-Film «Die schweigende Mehrheit», der am Donnerstag auf SRF 1 ausgestrahlt wurde, hat auch uns erreicht und beschäftigt.

Ist ein «Kern Wahrheit» darin?
Und ist so ein Film journalistisch vertretbar?

Ja und – mit Verlaub – nein.
Was in diesem Film gezeigt wird, ist nicht «mein» Grenchen.

Ja, die Stadt Grenchen hat ihre Probleme, und die darf man auf den Tisch bringen. Aber ich schliesse mich Beitrag und Kommentar des «Grenchner Tagblatts» an: Nach einem Jahr Recherche einen Film zu zeigen, der Grenchen praktisch ausschliesslich negativ darstellt, ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Da wurde offenbar am Reissbrett beschlossen, was der Film aussagen soll, und auf dieser Grundlage wurden Aufnahmen gemacht, Leute befragt und Sequenzen zusammengeschnitten, bis man genau dieses Bild produziert hatte.

Die Empörung ist gross, der Schaden, so der Tenor, angerichtet. Trotz allem sehe ich das Ganze nicht nur negativ. Die Grenchner haben die Angewohnheit, gern und oft über ihre Stadt zu lästern, aber von aussen angegriffen, vereinigen sie sich. Vielleicht befeuert uns dieses als ungerecht empfundene Porträt, uns noch stärker dafür einzusetzen, die «Problemzonen» anzugehen. Anstatt sich in der heute so verbreiteten Konsumhaltung nur zu beklagen, könnte jeder seinen Frust in positive Energie verwandeln und dazu beitragen, dass Grenchen zu SEINEM Grenchen wird.

Eine Gemeinschaft hat sich immer dadurch weiterentwickelt, dass Menschen Mankos erkennen, die Initiative ergreifen und dazu beitragen, dass es besser wird. So hat in Grenchen die Uhrenindustrie überhaupt erst Fuss gefasst, so sind Kinderspielplätze, Ferienpass, Jugendhaus, «Granges Melanges», «Rock am Märetplatz» und vieles mehr entstanden.

Grenchen ist und bleibt MEINE Stadt,
und ich sehe vieles, was mich freut und mit Stolz erfüllt:

Menschen, die sich in Vereinen für eine lebendige Kultur einsetzen – im Kleintheater, in der neu erweckten Literarischen Gesellschaft, in Musikvereinen und Chören wie dem Leberberger Konzertchor, der bald wieder mit seinen Proben beginnt.

Menschen, die in Vereinigungen und Kirchen unentgeltlich Deutschkurse anbieten, damit Zugewanderte sich hier schneller zuhause fühlen und Anschluss finden.

Menschen, die trotz Politikverdrossenheit Zeit und Herzblut für ein politisches Amt investieren.

Nicht jeder muss alles machen. Ein politisches Amt ist nicht jedermanns Sache, nicht jeder singt gern, nicht jeder macht gern Sport, nicht jeder geht gern in die Kirche. Aber jeder kann in seinem Umfeld dazu beitragen, dass Grenchen sich verändert und zu dem Ort wird, den er sich wünscht.

Was Aussenstehende über Grenchen sagen, ist mir ziemlich egal – wie ich früher schon geschrieben habe, hat es einen gewissen Reiz, eine Stadt zu verteidigen, in der andere nur das Schlechte sehen. Mein Grenchen ist ein Ort, an dem es sich zu leben lohnt; ein Ort, an dem viele Menschen nicht einfach ihren Steuerbeitrag als Berechtigung ansehen, über alles zu lästern, sondern in Ämtern und Vereinen, in Nachbarschaft und Kirche Zeit investieren, weil sie begriffen haben, dass eine Gemeinschaft nur wächst, wenn jeder sich einbringt.

Mein Grenchen ist eine Stadt mit Licht und Schatten, vor allem aber eine Stadt mit viel Potential. In diesem Sinne: «Vo Gränche by Gott, wo suure Wy wachst» – aus dem wir erst recht einen guten Tropfen zaubern!