Es ist weit länger her, als ich wollte, seit ich das letzte Mal ein «Writers Update» oder einen «Seelensnack» geliefert habe. Mehrmals habe ich mir gesagt, dass es nun an der Zeit wäre – und tat es dann doch nicht.

Das liegt nicht daran, dass es keine lesenswerten Neuigkeiten gegeben hätte. Ich habe das zweite Draft meines zweiten Romans geschrieben, ein spannendes neues Projekt ist in Arbeit. Aber es kam mir falsch vor, solange ich mir nicht etwas anderes von der Seele geschrieben hätte. Heute will ich das tun, auch wenn es immer noch zu früh, zu schwer und zu traurig scheint.

Heute vor einem halben Jahr ist mein Vater gestorben. Unerwartet schnell, und dennoch nach verzweifeltem Bangen und Hoffen, das zehn Tage im Mai zu den längsten und schlimmsten meines Lebens machte.

Wir werden nie erfahren, woran er genau gestorben ist. Was wir wissen ist, dass unser Pa sich letzten Dezember ein Melanom entfernen liess und die Ärzte bei einer darauffolgenden Untersuchung eine Mikrometastase in der Leistengegend entdeckten, die eine Tabletten-Chemo erforderte. Im Februar begann er mit der Therapie, die er mit der ihm eigenen Entschlossenheit und Zuversicht in Angriff nahm und auch gut meisterte.

Anfang März fing er sich, wahrscheinlich auf einer seiner täglichen Velotouren, eine leichte Bronchitis ein, die er nie mehr ganz loswurde. Doch das, was mit seinem Tod endete, begann Anfang Mai, als ich ihn während eines Anrufs fragte, ob er gerade eine Treppe hinaufgerannt sei. Er gestand mir, dass er seit einigen Tagen Atembeschwerden hatte, und ging schliesslich am 11. Mai zum Covid-Test. Er wurde negativ getestet und mit einem Termin für weitere Abklärungen nach Hause geschickt. Am Tag seiner Untersuchung rief er mich nachmittags an und teilte mir mit, dass sie ihn im Spital behalten würden, weil seine Sauerstoffwerte so schlecht seien. Ich erschrak, war aber froh, dass er nun zumindest am rechten Ort war, falls sich die Lage verschlimmern sollte.

Am Samstag rief er mich schon früh an, und meine Sorge  nahm zu – er hatte kaum geschlafen und hörte sich mutlos an. Kurz vor Mittag meldete er sich erneut, damit ich ihm ein paar Sachen fürs Spital zusammenstellen konnte. Er klang schon wieder munterer, und ich flitzte etwas erleichtert gemäss seinen Anweisungen durch seine Wohnung und packte ihm einen Koffer, versprach , ihn am Sonntag abzugeben – Besuche waren wegen Corona ja nicht erlaubt – und ihm zusätzlich zu seinen Leib- und Magenblättern auch den Sonntags-Blick zu bringen, den er sonst immer im Café «Stadthus» las.

Durch seinen guten Mut getröstet, wandte ich mich anderen Dingen zu, als eine Stunde später wieder ein Anruf kam. Dieses Mal klang Pa gestresst und besorgt. Im Hintergrund hörte ich einen Arzt zu ihm sagen, dass er ins künstliche Koma versetzt werde, und erschrak tief. Wir konnten nur noch kurz austauschen; Pa sagte mir, dass man mich jeweils über seinen Zustand informieren würde. Ich glaube, das letzte, was er sagte, war, dass andere «ja auch wieder aufgestanden» seien.

Es folgten zehn herzzerreissende Tage, ein Auf und Ab, das ich nie vergessen werde. Erst Angst und Bangen, weil sich sein Zustand nicht bessern wollte; dann leise Hoffnung, als der Arzt nach drei Tagen «zufrieden» war. Der Schock, als ich ihn besuchen durfte und hilflos daliegen sah, mit offenen Augen, aber nicht ansprechbar. Erneutes Bangen, als keine weiteren Fortschritte eintrafen. Beklemmung und Furcht, als die Ärztin eine Woche nach seinem Eintritt sagte, wir müssten mit dem Schlimmsten rechnen; als am Tag darauf Herzrhythmusstörungen dazukamen; der Sonntag, an dem meine Schwester und ich beide bei ihm sassen.

In all diesen Tagen hatte ich jeden Tag einmal angerufen und mit – oder besser zu – meinem Pa gesprochen. Hatte gehofft und gebetet, im Wissen und in der Zuversicht, dass Gott alles möglich ist, auch wenn die Medizin am Ende ihrer Weisheit angelangt. Meine Schwester und ich schickten Lieder ins Spital, die ihm die Pflegerinnen abspielten; als wir gemeinsam bei ihm waren, sangen wir ihm vor. Wir gaben die Hoffnung nicht auf.

Doch schliesslich kam er doch, der schwarze Montag, der sich in jedem Detail für immer in mein Gedächtnis eingebrannt hat:

Das Müsli, das ich gerade ass, als morgens um neun der Anruf kam, wir müssten sofort kommen, und das anderntags noch halbgegessen und eingetrocknet auf meinem Schreibtisch stand.

Die hektische Fahrt ins Spital, während der Pas älteste Schwester anrief, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen, und ich mich in meiner Angst verfuhr und fürchtete, nicht mehr rechtzeitig anzukommen.

Das Besprechungszimmer, in dem ich mit meiner Schwester und ihrem Mann sass, als uns die Ärztin mitteilte, dass sie nichts mehr tun konnten; dass die Organe versagt hätten und Pa nur noch durch Medikamente und Maschinen am Leben erhalten werde, und dass wir eine Entscheidung treffen müssten.

Die langen Stunden, die wir danach noch bei ihm sassen und für ihn beteten – wissend, dass er kein langes Vegetieren an Maschinen gewollt hätte; bereit, ihn gehen zu lassen, aber immer noch voller Hoffnung auf unseren Gott.

Die rote Digitalanzeige an der Wand, die den 25. Mai anzeigte, und bei der ich mich fragte, ob dies jetzt der Tag sein würde, an dem mein Vater sterben wird.

Die so schnell und gleichzeitig ewig dauernden Minuten, nachdem die Ärzte die Maschinen abgestellt hatten und wir buchstäblich an Pas Lippen hingen, auf ein Wunder hofften und zusahen, wie seine Atemzüge weniger und schwächer wurden und er schliesslich friedlich starb. Und unsere Welt stehenblieb.

Der Telefonanruf, den ich mit meiner Tante führen musste – seiner Schwägerin, die er sehr geschätzt hatte – und die mich mit gebrochener Stimme fragte, ob er habe sterben dürfen.

Die einsame Heimfahrt, auf der ich zu Gott und zu meinem Pa schrie und weinte, der Moment, als ich daheim ankam und mein Mann mich in die Arme nahm.

Die Welt hat sich seitdem weitergedreht, und heute, ein halbes Jahr später, ist die turbulenteste und dunkelste Zeit vorbei. Ein Leben ist hier auf Erden zu Ende; in meinem Herzen und – so glaube ich fest – an dem Ort, wo wir uns wiedersehen, geht es weiter. Die Trauer kommt und geht in Wellen. Denn die Lücke, die Pa in meinem Leben und in dem anderer hinterlässt, ist riesig.

Als unsere Mutter 2004 starb, übernahm er, der in unserer Kindheit aufgrund seiner vielen Engagements wenig präsent war, ihre Rolle in unserer kleinen Familie. Er machte uns zu seiner Priorität,  reiste an die Konzerte und Aufführungen seiner Enkel und nahm grossen Anteil an allem, was seine beiden Töchter machten. Er freute sich sichtlich, als ich mit meinem Mann 2010 zurück nach Grenchen zog, und war von da an fast täglich Teil meines Lebens.

Er war der stolze Cheerleader seiner Töchter und mein treuester Fan, und er fehlt mir so sehr. Und sein Fehlen macht mir bewusst, wie zerbrechlich mein Selbstwertgefühl manchmal noch ist. Ich dachte, ich sei verwurzelt in Gottes Liebe, und daran könne niemand rütteln. Der Verlust meines Pa erinnert mich schmerzlich daran, dass Gott uns nicht als Solonummern geschaffen hat. Wir brauchen die Gemeinschaft, brauchen die Liebe und Wertschätzung eins menschlichen Gegenübers.

Pas Tod hat mich und mein Leben unwiederbringlich verändert. Meine Verbindung zur Familie ist stärker geworden; ich habe meine Schwester mehr gesehen und mit ihr öfter gesprochen als sonst in zwei Jahren. Pas noch lebende Geschwister und die meisten unserer Cousins und Cousinen wohnen in Grenchen, und in diesen schweren Monaten sind wir einander auch nähergekommen. Die Familienbande der Meiers sind stark und liebevoll, und was für ein Geschenk das ist, wurde mir in diesen dunklen Tagen neu bewusst.

Die Trauer wird nicht vergehen. Sie wird anders werden, wird abebben und wiederkehren, sich wandeln. Und ich werde wieder vorwärtsschauen – wie es auch mein Pa einst getan hat. Als meine Ma starb, war er untröstlich, und es dauerte lange, bis er richtig ins Leben zurückkehrte. Aber irgendwann schien ein Ruck durch ihn zu gehen, und er wurde wieder der fröhliche und lebensfreudige Mensch, den wir kannten. Als ich nach seinem Tod seine Agenda durchblätterte, stiess ich auf ein rosa Post-it, auf dem er in seiner charakteristischen Handschrift einen Spruch notiert hatte. Er stammt von einer der vielen Trauerkarten, die Pa nach Mas Tod erhalten hatte, und er hatte ihn seit diesem Tag zu seinem Lebensmotto gemacht. Dass er ihn immer noch auf einem Post-it in der Agenda herumtrug, zeigt mir, dass er sich öfters an das erinnern musste, was darauf stand:

«Auch wenn du von uns gegangen bist,
sind wir verpflichtet, gut zu leben.
Verpflichtet uns und vor allem dir –
denn du würdest es hassen und uns schimpfen,
wäre unser Leben dunkel und nicht mehr lebenswert.»

Jetzt trage ich den Zettel mit mir herum, um mich daran zu erinnern, dass Pa es genau so sehen würde. Und ich bin entschlossen, seinen Wunsch zu erfüllen. Mein nächster Post wird sich hoffnungsvoll der Zukunft zuwenden, wird sich freuen auf das, was kommt, und es mit Euch teilen. Ich werde mir an ihm ein Beispiel nehmen, das Leben geniessen und die richtigen Prioritäten setzen – furchtlos und kühn.

Heute aber gehören meine Gedanken noch ihm, und ich schliesse dieses Post mit meiner Trauer und meiner grossen Dankbarkeit. Für das, was Pas zu früher Tod in mir und anderen hervorgebracht hat: tiefere Beziehungen, die Erfahrung, dass wir solche Zeiten überstehen können, das immer noch felsenfeste Vertrauen in Gott, der mich unzweifelhaft durch diese Zeit getragen hat. Und für das, was wir an ihm hatten. Denn nur, wer etwas so Gutes hatte, kann es so schmerzlich vermissen.  

Auf dich, Pa. Danke für alles. Wir sehen uns.

Die Karwoche ist eine besondere Zeit und hat mich schon oft zu Postings inspiriert. In den vergangenen Tagen habe ich oft daran gedacht, den einen oder anderen Beitrag zu reaktivieren, weil er thematisch gut passt: Den, in dem ich mich an das Hungertuch, das Fastenopfer und an Jesus im Garten Gethsemane erinnere oder den, als ich mir ein kitschiges Ostervideo ansah und mich die Wunden des Auferstandenen so berührt haben. Aber ich konnte es nicht.

Nichts schien wirklich angemessen. “Das übertriffet alles”, wie es im Film “Addams Family heisst: So eine Karwoche hat noch niemand von uns jemals erlebt. Gestern hat die Grenchner Islamwissenschaftlerin und Publizisitin Amira Hafner Al Jabaji in ihrer Kolumne der “Solothurner Zeitung” an die Bilder des einsamen Papstes auf dem Petersplatz, der leeren Klagemauer in Jerusalem und der verlassenen Kaaba in Mekka erinnert, und diese Bilder haben mir noch einmal richtig bewusst gemacht, wie unvergleichbar diese Zeit ist – auch und gerade in glaubenstechnischer Hinsicht.

Die Christen feiern bald Karfreitag und Ostern, die Juden Pessach, die Muslime die Nacht der Vergebung in einer zumindest in der Moderne noch kaum dagewesenen Art. Gläubige, für die Gemeinschaft essentiell ist, können sich nicht versammeln. Für uns Christen: Kein Händeschütteln am Sonntag zu den freudigen Worten “Er ist auferstanden!”, kein gemeinsames Abendmahl, kein Osterbrunch, wie meine Kirche ihn normalerweise an diesem Festtag begeht.

Alles ist anders. Aber kann “anders” auch “gut” sein?

Nichts wird uns das tatsächliche Zusammensein ersetzen können; soviel ist klar. Aber, und das ist für mich das Wunderbare an unserem Glauben: Das Wichtigste bleibt. Denn Kirche sind wir. Das Wort für Kirche, “Ekklesia”, heisst “die Herausgerufene”. Und auch wenn wir dem Ruf in dieser Zeit nicht körperlich folgen können, können wir es doch geistig. Wir haben uns rufen lassen in eine Beziehung mit Gott durch seinen Sohn, der sich für uns hingegeben hat, und diese Beziehung scheitert nicht an physischer Trennung. Wie sollte sie? Jesus lebt in uns und durch uns. Er hat in uns Wohnung genommen, und der Heilige Geist ist es, der in uns verkündigt, dass Jesus unser Herr ist.

“Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.” Wir versammeln uns, wenn wir am Donnerstagabend um 20:00 eine Kerze anzünden und beten, jeder bei sich zu Hause. Wir versammeln uns, wenn wir im Wohnzimmer im Pischi den Livestream unserer Kirche einschalten und vom Sofa aus mitsingen. Wir versammeln uns, wenn wir uns über die neue Kirche-Whatsapp-Gruppe austauschen.

Ich bin ein ausgesprochen introvertierter Mensch, der das Alleinsein weit mehr geniesst, als es sich für den anständigen Christen geziemt, aber sogar ich vermisse all die Menschen, die ich sonst regelmässig sehe. Und ich freue mich jetzt schon auf den ersten Gottesdienst in unserer Kirche, an dem wir uns wieder “in real live” sehen und umarmen dürfen. Da werden Tränen fliessen, soviel ist sicher.

Aber ich bin auch unendlich dankbar für unseren Gott, der dafür gesorgt hat, dass nichts uns von der Gemeinschaft mit ihm trennen kann. Der keine komplizierten Rituale fordert, sondern zu uns gekommen ist und uns zu sich gerufen hat.

In diesem Sinne Euch allen eine gesegnete Karwoche in der Gewissheit, dass Gott “Immanuel ist” – Gott mit uns, dass er denen nahe ist, die ihn rufen, und sich von ihnen finden lässt.

Liebe Freunde,

Eigentlich hatte ich nicht vor, an Tag Eins des Corona-Lockdowns in der Schweie meinen Quartalsbericht zu verfassen. Stattdessen wollte ich schön mit der Recherche an einem Projekt weiterfahren. Das Leben wollte es anders, indem meine Kindle-App streikt. Und das an diesem Tag! Nun denn: In der Annahme, dass es noch ein paar andere gibt, die daheim hocken, deren Kindle vielleicht auch nicht geht oder die sonst gern was lesen würden: Hier kommen die News aus der Schreibstube. Und die sind gut…!

Erscheinungsdatum für Band 1 (fast) geklärt!

Ja, ein “fast” gibt es noch, aber voraussichtlich sollte mein erster historischer Roman am 8. Februar 2021 erscheinen. Bis dahin ist es noch lange; es ist also immer noch Geduld angesagt. Dennoch schaltet die Maschinerie nun langsam in einen höheren Gang, und ich bin schon sehr gespannt auf die kommenden Monate…!

First Draft von Band 2 finished!

In dieser Wartezeit war mir gar nicht langweilig, da ich im neuen Jahr gleich mit der Niederschrift von Band 2 begonnen habe. Ein erster Wurf ist fertig; nun liegt er zum Auskühlen auf dem Fensterbrett. Aber im Gegensatz zum Kuchen ist er natürlich noch nicht geniessbar: Jetzt kommen die Revisionen und eine Menge Recherchearbeit, damit die Details dann auch stimmen. Ich habe vor, im April wieder einzusteigen. Und bis dann…?

Vorarbeiten für ein spannendes Herzensprojekt…

Im Moment bin ich eigentlich wie erwähnt im Recherchemodus, und zwar für ein Herzensprojekt, das mir im letzten Herbst zugetragen wurde. Die Details sind noch nicht geklärt, aber sollte es klappen, werde ich ein Buch zu einem Thema schreiben, das mir schon immer sehr wichtig war. Ich halte Euch auf dem Laufenden!

Der neue Blog in den Startlöchern

Ja, das habe ich jetzt schon oft gesagt, aber an den obigen Abschnitten könnt Ihr erkennen, dass ich durchaus beschäftigt war in diesen Tagen. Dennoch ist es ein wenig vorwärts gegangen, was den Blog angeht: Inzwischen habe ich mir einen Titel ausgedacht und ein Bild kreiert. Es könnte also schon bald losgehen.

Musik…

Durfte auch in diesem Quartal nicht fehlen. Neben meinen regelmässigen Einsätzen in der eigenen Church durfte ich am 26. Januar mit der Organistin und Pianistin Kirsten Raufeisen einen Taizé-Gottesdienst umrahmen. Ein “First” für mich wie auch für die Kirchgemeinde Signau; sehr berührend und besinnlich. Wiederholung möglich!

Und Ihr so?

Wie geht es Euch an diesem ersten Tag eines neuen Lebens? Wie sehr beeinträchtigt die momentanen Situation um Covid-19 Euren Alltag? Obwohl ich selbst wenig merke, weil ich schon vorher fast nur Zuhause gearbeitet und Anlässe meistens vermieden habe, macht mir das Ganze zu schaffen. Ich denke mehr als sonst an meine älteren Verwandten und frage mich, wie sie mit allem umgehen, und ich fühle mit den Familien mit.

Und doch – ja, und doch. So übel es ist, so beängstigend: Auch aus solchen Krisen kann Gutes kommen. Ich bin zwar (wahrscheinlich, da historisch ausgebildet) eine Zynikerin, aber gleichzeitig habe ich die Hoffnung nie aufgegeben, dass die Menschen dazulernen und sich besinnen können – meistes einfach erst, wenn man sie dazu zwingt. Und genau das tut diese Krise. Wir vermissen jetzt einiges, aber ich hoffe, wir erkennen, dass der Verlust von Dingen weit einfacher zu verschmerzen ist als das, was uns Menschen wirklich ausmacht: Gemeinschaft. Beziehung. Und die Welle der Solidarität, die neben den unmöglichen Hamsterkäufen eben auch real ist, macht mir Hoffnung, dass wir am Ende dieser Krise eine etwas andere Gesellschaft haben werden: Weniger Konsum, weniger Oberflächlichkeit, mehr Empathie. Vielleicht sogar weniger “Geld regiert die Welt”? Es wird nicht ewig halten, weil der Mensch dazu tendiert, solche Geschichten relativ rasch zu vergessen, aber wenn es nur eine kleine Änderung bewirkt, dann war es zumindest nicht umsonst.

Und hier mein besonderer Gruss in die Stuben für Euch:

Ich habe mir gestern Abend überlegt, wie ich denen, die solche sozialen Zwangspausen schwierig finden, die Zeit versüssen könnte, ohne das es Euch etwas kostet. Daher habe ich die elektronische Version meiner CD auf 0 Franken gesetzt. Ich freue mich, wenn Ihr “zuschlagt”; die CD-Gratisdownloads sollten eine Weile reichen (es sind über 1’000 möglich). Einfach den untenstehenden Link anklicken, auf “Buy digital CD” drücken, beim Preis eine 0 eingeben, dann könnt Ihr den Download starten. Ebenfalls bin ich daran, meine Ebooks auf 99 cents zu setzen (ganz gratis geht bei Amazon leider nicht, wenn man nicht in einem Sonderprogramm ist). Habt Freude dran…!

Hier der Link:

Zur CD als MP3

Und nun, Ihr Lieben: Bleibt daheim, wenn Ihr könnt; bleibt gesund, lest was Schönes, telefoniert, hört Musik. Geht allein in die Natur und geniesst die Schöpfung. Und hebet Euch Sorg!

Herzlich, Claudia

Liebe Freunde,

Dieses Quartal ist etwas lang geraten – Zeit ist offenbar wirklich relativ! Und dabei denke ich nicht an meine Binge-Watching-Sessions mit Dr. Who, sondern eher an die sehr vollgepackten letzten Monate. Es dürfte so weitergehen…aber der Reihe nach!

Feinlektorat finished

Wie Ihr Euch erinnert, wartete ich im August gespannt auf mein feinlektoriertes Manuskript. Meine Befürchtungen, die Hälfte des Textes werde rot gefärbt sein, haben sich Gott sei dank nicht bewahrheitet, aber etwas Arbeit war doch noch zu tun. Gute Arbeit! Die Zusammenarbeit mit der externen Lektorin war top; wir haben uns in den Kommentarspalten bestens unterhalten. Zum Beispiel, als ich ihr erklärte, warum ich das Wort “Zvieri” gern behalten würde und keine “Brotzeit” will. Ich habe ausgeführt, wir Schweizer seien den Hobbits ähnlich, die neben dem ersten und zweiten Frühstück noch die “Elfchen” (elevensies) kennen. Bei uns heisst es einfach: Zmorge, Znüni, Zmittag, Zvieri, Znacht. Die langen Erklärungen haben sich gelohnt, ich durfte mein Zvieri drinlassen…! Neben diesen Details waren auch ein paar grundsätzliche Überarbeitungen nötig, aber ees hat sich gelohnt. Ich freue mich schon sehr auf das Endresultat! Und wie und wann geht es nun weiter? Geduld, es kommt gleich…

Storyline Band 2: Check!

Erst aber noch der Stand von Band 2: Storyline! Auch diese Pendenz habe ich in den letzten Monaten erledigt. Der Plot ist gut vorangekommen, die Lektorin war zufrieden. Nach dem Einbau von einigen kleineren Änderungen werde ich mit dem Rohentwurf starten können.

Im Dienste der Musik – auch literarisch

Wie immer gab’s auch etwas Musikalisches: Am 26.10. durfte ich eine Hochzeit musikalisch umrahmen, am 3.11. einen Gottesdienst in Signau. Beide Anlässe waren wieder bereichernd – es macht einfach Freude! Und ein nächster Anlass steht schon fest: Am 26. Januar werde ich wieder in Signau sein und mit meiner Lieblings-Organistin einen Taizé-Abendgottesdienst gestalten. Ich freue mich!

Eine nicht alltägliche Auftragsarbeit hat das letzte Quartal dann noch intensiver gestaltet: Ich wurde angefragt, für das Stadtorchester Grenchen eine Festschrift zu schreiben. Bei 100 abzudeckenden Jahren kommt einiges an Material zusammen, durch das ich mich wühlen musste – ein beträchtlicher Aufwand, der sich aber gelohnt hat und mir einen besonderen Einblick nicht nur in die Geschichte des Orchesters, sondern auch in die jeweilige Zeit schenkte. Das Manuskript harrt noch einer letzten Überarbeitung und geht dann Ende Januar 2020 in den Druck. Ich bin schon gespannt auf das Endresultat!

Noch einmal Bundesräte…

Die Vergangenheit blieb auch sonst präsent: Das Bundesratslexikon, das im Februar erschienen ist, erhält Kommentarbände, und seit Oktober unterstütze ich meinen früheren Chef bei der Endredaktion. Es ist immer wieder faszinierend, die damaligen Verhältnisse und die Geschichten hinter den Bundesratswahlen kennenzulernen.

Nach diesem ausführlichen Werkrapport aber zu den spannenderen Fragen: Was kommt 2020? Und wann kommt es? Here we go:

Titel, Cover und Erscheinungsdatum meines Romans : Es wird…!

Momentan arbeitet der Verlag an Titel und Cover des ersten Bands meiner Trilogie, und ich bin unglaublich gespannt auf das Resultat. Im Januar sollte ich erstmals etwas zu Gesicht bekommen. Das Erscheinungsdatum 1 ist provisorisch festgelegt, wird aber im Februar definitiv klar sein. Ich freue mich schon jetzt, wenn ich Euch dann mehr sagen kann!

Blog

Ja der, Blog – da ist nicht viel gegangen in diesen Monaten, was angesichts der vorigen Berichte ja vielleicht verständlich ist. 2020 soll es dann aber losgehen unter einem neuen Schwerpunkt. More ist to come!

Band 2: Work to do!

Band zwei wird mein Schwerpunkt für 2020 sein. Gleich nach Neujahr starte ich mit der Anpassung des Plots und dann mit dem Rohentwurf. Ich freue mich sehr darauf, endlich wieder zu meinen Helden zurückzukehren und ihre nächste Story niederzuschreiben! Und ich werde mich ranhalten müssen, vor allem, weil noch ein paar Optionen im Raum stehen, wie ich meine Zeit literarisch füllen könnte.

Neue (mögliche) Projekte – historisch und Nonfiction

Tatsächlich haben sich mir dieses Jahr noch zwei Türen zu neuen Projekten geöffnet. Eines wäre ein Nonfiction-Projekt, das mir von der Thematik her extrem am Herzen liegt, das andere eins im Bereich “Historischer Roman”, das mich auch sehr reizen würde. Im Januar werd ich mehr wissen und dann anhand dieser News meine Zeitpläne und Prioritäten abwägen müssen. Und natürlich Euch informieren, was es Neues gibt!

2020 – perfect Vision?

Das Fazit: 2020 wird hochspannend, aber auch herausfordernd. Ich werde mich das erste Mal voll aufs Schreiben konzentrieren können; ein berauschender und gleichzeitig einschüchternder Gedanke. Dazu kommen die Erfordernisse im Rahmen der Veröffentlichung von Band eins, die mich ab und zu beschäftigen: Bin ich Einsiedlerkrebs, der nur aus dem Haus geht, wenn es sein muss, der Öffentlichkeitsarbeit gewachsen? Was muss ich tun? Stimmt die Frisur? Spass beiseite, ich freue mich auf die Herausforderungen, auch wenn mir gewisse Aspekte im Ganzen tatsächlich etwas Bammel verursachen. Aber jeden Tag etwas aus seiner Komfortzone herauszutreten soll ja gesund sein!

Ein perfektes 2020 auch für Euch…

…und vorher natürlich gesegnete Festtage! Ich hoffe Phone Number Trace , dass Ihr etwas Zeit für Euch selbst und Eure Lieben findet und dass wir uns hier wieder einmal lesen. Stay tuned!

Herzlich, Eure Claudia

Liebe Freunde,

Die Sommerpause (so man sie denn hatte) ist vorbei, und es wird wieder intensiv! Aber das kennen wir ja nicht anders, nicht wahr? Zumindest bei mir geht 2019 so lebhaft weiter, wie es angefangen hat.

Band 1 im Feinlektorat

Bis Ende Juni habe ich Band 1 meines historischen Krimis soweit aufpoliert, dass er eines Feinlektorats würdig wird. Genau dort befindet er sich jetzt und sollte bald zu mir zurückkommen. Ich bin schon sehr gespannt auf alle Verbesserungsvorschläge, Rechercheaufträge und was auch immer da so reinkommt – es ist ein “First” für mich, und die sind ja immer besonders aufregend!

Band 2: Storyline in Arbeit

Nach dem Abschluss dieser Vorbereitungen und nach einer hektischen Zeit mit anderen Verpflichtungen habe ich mich an die Storyline für Band 2 gesetzt. Dafür musste ich wieder ein paar Tage in der Bibliothek verbringen und mich durch alte Zeitungen wühlen, aber es hat sich gelohnt! Nun folgt eine weitere Verfeinerung, und dann sollte die Storyline an meine Lektorin im Verlag gehen. Auch hier bin ich gespannt, wie das Feedback sein wird. Mich juckt es jedenfalls schon in den Fingern, mich an den ersten Entwurf zu machen. Ein gutes Zeichen…!

The sound of music…

ist in den letzten Monaten auch nicht zu kurz gekommen. Ich durfte die musikalische Umrahmung einer Firmung gestalten und an der Taufe meines neusten Patenkindes zwei Lieder beitragen; das hat mir viel Freude gemacht – und ich habe wieder ein neues, wunderschönes Lied gelernt. Und gestern erst habe ich im Trio die Jubiläumsfeier unseres Altherrenstamms musikalisch mitgestaltet, dies im wunderschönen Kraftort der Kapelle Allerheiligen ob Grenchen. Neben diesen privaten Anlässen und halb- bis offiziellen “Gigs” stand natürlich regelmässig Lobpreis in der Gemeinde an, und mit dem Leberberger Konzertchor studieren wir momentan Verdis Requiem ein. Ein bunter Strauss an musikalischen Tätigkeiten, der mein Leben sehr bereichert.

What’s next?

Als nächstes steht – siehe oben – der Abschluss der Storyline für Band 2 sowie die Überarbeitung von Band 1 nach dem Feinlektorat an. Und sobald das durch ist, werde ich mich an den ersten Entwurf von Band zwei machen. Die Arbeit geht also nicht aus, und auch musikalisch geht es weiter: am 26. Oktober gestalte ich den musikalischen Teil einer Hochzeit, und am 3. November darf ich ein weiteres Mal zusammen mit Kirsten Raufeisen einen Gottesdienst in Signau musikalisch mitgestalten.

Last but not least: “Seelensnack” goes…?

Und das hätte ich fast vergessen: Ich arbeite momentan an einer Umgestaltung meines Blogs. Was das genau heisst, erfahrt ihr schon bald auf dieser Seite, und vor allem anderen hoffe ich, Euch neben meinen Standberichten wieder mehr andere Beiträge liefern zu können. Stay tuned!

Und das war’s auch schon. Allen, die heute einen Feiertag geniessen konnten, wünsche ich einen schönen Ausklang, und denen im Stollen schon einen guten Feierabend nach dem Tagwerk. Auf hoffentlich bald!

Herzlich,

Eure Claudia

Bildquelle: Pixabay

Liebe Freunde,

Viel zu lange ist es her, dass ich Euch ein Update über meine literarisch-musikalischen Aktivitäten geliefert habe! Einige Zeit war meine Website aus mysteriösen Gründen nicht zugänglich, und sonst ist (wie es uns allen geht) immer viel los. Jetzt geniesse ich die freien Ostertage und kann wieder mal liefern. Here goes:

Mein Roman: Überarbeitung und Recherche…!

Nachdem ich ja im Dezember zu meiner grossen Freude den Zuschlag für eine Veröffentlichung beim Penguin Verlag erhalten hatte, waren in den Folgemonaten noch einige rechtliche Formalitäten zu erledigen. Kurz vor meinen Thailandferien im Februar trafen dan meine ersten Verlagsverträge (für Band 1 und 2) bei mir ein  – ein feierlicher Moment! Im März hatte ich ein tolles Telefonat mit meiner Verlagslektorin, und nun sitze ich an der Überarbeitung des Manuskripts. Ganz konkret habe ich meine bisherige Arbeit bereits verschickt und warte nun gespannt auf das Feedback. Parallel dazu  habe ich mit vertiefter Recherche für Band 2 begonnen, was ich in den kommenden Wochen noch fortsetzen werde. Nachdem ich lange herumgerätselt hatte, was ich genau in den Krimiplot packen könnte, hatte ich eine zündende Idee, die aber einiges an Wissen über Themen erfordert, die mir nicht so geläufig sind. Also auf in die Bibliotheken und Archive!

Musikalische Events: Gottesdienstumrahmung und Talk mit Chäs, Brot und Wy…

An der Gitarre und am Mikrofon stand ich in den letzten Monaten nur im Gottesdienst, aber bald schon darf ich wieder “aushäusig” wirken. Am 6. Juni werde ich in der GMS Studen Gast ihrer Event-Serie “Chäs, Brot und Wy und mi Gschicht mit Gott” sein. Dort darf ich ein bisschen was von mir erzählen, Fragen beantworten und auch das eine oder andere musikalisch darbieten. Ich freue mich schon sehr! Ebenfalls im Juni werde ich zusammen mit Kirsten Raufeisen den Firmgottesdienst im Kinderheim Bachtelen musikalisch umrahmen. Auch darauf freue ich mich; wir durften dies bereits vor zwei Jahren übernehmen – ein feierlicher Anlass in den ehrwürdigen Räumen des Kinderheims, das übrigens auch in meinen Büchern eine Rolle spielen wird.

Ostergrüsse und Lesetipp für die freien Tage

Soweit in knackiger Kürze, was bei mir läuft. Es ist ein spannendes Jahr mit vielen “Firsts”, und im Moment bin ich neben meinem Buch noch in zwei Teilzeitanstellungen beschäftigt. Zusammen mit den ehrenamtlichen Engagements wird es manchmal etwas eng – vor allem im Kopf – aber die Freude überwiegt. Jetzt geniesse ich die freien Tage und hoffe, Ihr tut dasselbe. Und falls das Wetter bei Euch nicht so dolle ist, habe ich Euch einen heissen Lesetipp: Die wenigsten Bücher überstehen bei mir den “Erste-Seite-Test”, aber gerade habe ich einen historischen Roman zu Ende gelesen, der mich sehr begeistert hat. Der Autor ist ein promovierter Historiker, der exzellent recherchiert, Schauplatz ist Mailand im 15. Jahrhundert, es gibt Spannung, eine kleine Lovestory, lebendige Beschreibungen und vor allem eine herrliche Sprache: “Pandolfo”, von Michael Römling, im Rowohlt Verlag. Überall zu kaufen, wo’s Bücher gibt, aber wenn es schnell gehen soll: Hier ein Link zu Amazon (ich habe das E-Book gekauft, dann kann man gleich loslegen).

Herzliche Grüsse und bis bald,

Eure Claudia

P.S.: Ein kleiner Nachtrag redaktioneller Art: In letzter Zeit häuften sich ominöserweise Klicks auf ein Bild, das ich für ein Post über die Frankfurter Buchmesse verwendet hatte – ein Ausschnitt aus einem Fahrplan. Da ich nicht sicher bin, ob die Verwendung rechtens ist, habe ich das Bild herausgenommen. Ich hoffe, wer auch immer sich hier Infos geholt hat, findet sie auch an offizieller Stelle!

 

Heute vor 15 Jahren, so um halb elf Uhr abends, kroch ich aus meinem Bett in meiner Wohnung im Berner Felsenauquartier, tappte ins Wohnzimmer, kniete mich vor den Metalljesus an der Wand, sprach das Übergabegebet auf der letzten Seite des Buches «Jesus unser Schicksal» und wurde Christin.

Sinnsuche hüben und drüben

Kirchenrechtlich war ich das natürlich schon, aber meine Glaubenspraxis erschöpfte sich in der Kindheit in vereinzelten Stossgebeten und als junge Erwachsene im widerwilligen Besuch der Semestergottesdienste meiner Studentenverbindung. Was ich wirklich suchte, schien mir weder dort noch in dem zu finden zu sein, was man sonst so erreichen kann: «The meaning of life», wie es bei Monty Python heisst. Auf der Suche nach eben diesem Sinn befasste ich mich in meinen Zwanzigern in loser Folge mit Astrologie, Heilsteinen und Tarotkarten, oft im Schlepptau meiner jüngeren Schwester, die in regelmässigen Abständen eine neue Philosophie für sich entdeckte. Den ersehnten Sinn fand ich dabei allerdings nie. Als meine Schwester im Herbst 2003 schliesslich mit Jesus ankam, schien mir das zur Abwechslung etwas wohltuend Normales zu sein, und so besuchte ich in meiner üblichen Bereitschaft, ihre neuste weltanschauliche Entdeckung kennenzulernen, mit ihr einen Gottesdienst.

“Sektenalarm” und musikalischer Donnerschlag

Nach den ersten Minuten war ich überzeugt, in einer Sekte oder in der ominösen Besserungsanstalt aus Stephen Kings «Talisman» gelandet zu sein: Professioneller Parkdienst! Alle im Anzug! Alle viel zu freundlich! Riesige Soundanlage! Plüschvorhänge und Teppichboden! Dann begann die Lobpreismusik. Ich fing an zu weinen und hörte erst auf, als es die Musik tat. Meine Neugier, mein Hunger und meine Sehnsucht nach dem Sinn, den ich vermisste, waren entfacht, und der Glaube, den meine Schwester lebte, zog mich an. Es gab nur ein Problem: Sie verkündigte Jesus als den einzigen Weg. Das war an sich nichts Neues; meine Schwester pflegte das, woran sie glaubte, immer auf diese Art zu verkündigen, und bisher hatte ich diesen Teil einfach ignoriert. Störenderweise schien Jesus aber in die gleiche Kerbe zu hauen, und je länger ich mich mit diesem Glauben beschäftigte, desto hartnäckiger bestand eine innere Stimme auf dieser  Ausschliesslichkeit – für einen analytisch veranlagten Kopfmenschen, der die eigene Überzeugung niemals über die eines anderen stellen würde, ein harter Brocken.

Auferstehung und «Arc» der Jünger

Beim Versuch, diesen zähen Brocken irgendwie herunterzubringen, kreisten meine Gedanken immer enger um die Auferstehung und um (Achtung: Autorensprech!) den «Arc» der Jünger Jesu. Vielleser wissen, was ich meine: Eine Geschichte funktioniert nur, wenn ich nachvollziehen kann, wie der Protagonist handelt. Passen seine Entscheidungen zu seinem Charakter, dazu, wie ich ihn bisher wahrgenommen habe? Über die Jünger berichten die Evangelien von einer zweifachen Kehrtwende: Während sie vor Golgatha selbstbewusst an der Seite Jesu Seite standen, verschwanden sie nach seiner Gefangennahme und Kreuzigung von der Bildfläche. Sie versteckten sich voller Angst, selbst verhaftet zu werden, und Petrus, sonst Grossmaul par excellence, verleugnete Jesus sogar. Dann, nur drei Tage später, tauchten sie plötzlich wieder auf, und von diesem Tag an verkündigten sie scham- und furchtlos Jesu Auferstehung und sein Evangelium. In den folgenden Jahrzehnten bereisten sie mit dieser Mission die ganze ihnen bekannte Welt. Berichten nach starben die meisten von ihnen einen Märtyrer-Tod.

Diese Männer hatten ihre Furcht von einem Tag auf den anderen hinter sich gelassen, und für mich gab es nur einen logischen Grund: Es musste etwas passiert sein, das sie von Grund auf verändert hatte. Eine Lüge, die sie sich und anderen erzählten, hätte niemals genug Kraft gehabt, um ihnen ihre Angst zu nehmen und sie furchtlos in die Welt hinausziehen, Christus verkündigen und für diesen Glauben Folter und Tod auf sich nehmen zu lassen. Die Auferstehung musste wahr sein, und wenn sie das war, dann glaubte ich auch alles andere, was Jesus über sich gesagt hatte. Und dann wollte ich den Schritt wagen. Was damals geschehen ist.

Glauben und Schreiben

Trotz meines Fundichristseins will ich in meinen Büchern und Texten nicht in erster Linie missionieren. Ich möchte spannende Geschichten erzählen, die Menschen ermutigen, berühren und zum Nachdenken anregen. Aber die Quelle  meiner Inspiration und der Grund, warum ich Menschen ermutigen und aufbauen will, ist Gott; er ist das Fundament meiner Weltsicht, die meine Bücher durchzieht: Dass die Hoffnung niemals stirbt, dass jeder Mensch Würde besitzt, einzigartig und wertvoll ist, dass jeder Mensch sich verändern, erneuern, heilen und zu dem werden kann, der er wirklich ist – geschaffen von dem Gott, der ihn unendlich und bedingungslos liebt. Und letztlich ist diese Botschaft der Grund, warum ich schreibe.

Der Weg mit Jesus – keine «Erfolgsstory», sondern tägliche Begegnung

Als ich mich damals entschied, diesen Weg zu gehen, war ich in vielerlei Hinsicht herausgefordert. Ich lebte in einer schwierigen Beziehung, ich trank zu viel Alkohol, und ich wusste auf dem Weg in die Mittdreissiger nicht, was ich mit meinem Leben eigentlich anfangen sollten. Und heute? Bin ich ein Mensch ohne Fehl und Tadel? Das sei fern, wie Paulus oft schrieb. Ich kämpfe jeden Tag mit mir selbst, mit Mustern aus alten Tagen, schlechten Gewohnheiten, die ich noch nicht los geworden bin. Aber Gott hat mich Schritt für Schritt aus inneren Gefängnissen befreit, mich auf neue Wege geführt und mein Leben von Grund auf erneuert. Er hat wichtige Entscheidungen möglich gemacht – unter anderem meine Entscheidung für ein Leben ohne Alkohol. Die Abstinenz hat meine Kreativität freigesetzt, und erst danach hatte ich die nötige Disziplin, das Durchhaltevermögen und vor allem den Glauben an mich und meine Gaben, genährt aus dem Wissen, dass Gott mich geschaffen und mir diese Talente mitgegeben hat, um in der Welt Spuren zu hinterlassen.

Wer ich heute bin, verdanke ich diesem Abend vor 15 Jahren und dem Gott, mit dem ich seit diesem Tag durchs Leben gehe. Und am heutigen Tag gehört dem allein mein Dank und die Ehre, der mich zu diesem Leben befreit hat. Zu einem freieren, erfüllteren und glücklicheren Leben, als ich es jemals hatte; kühner, furchtloser und voller Leidenschaft. In diesem Sinne: danke Jesus. Ich erhebe mein Glas Sanbitter auf weitere 15 Jahre, hoffentlich noch viele mehr auf Erden und auf die Ewigkeit mit Dir.

“Same procedure as every year”: Auch dieses Jahr habe ich mich wieder auf die Suche nach einem Jahresmotto gemacht. Nachdem ich mich 2018 für «Balance» entschieden und dieses Ziel etwas verfehlt habe, wollte ich für 2019 etwas Ähnliches finden, vielleicht in der Hoffnung, es beim zweiten Anlauf besser zu machen. Dann stiess ich in einem Post von Pfarrer Jörg Bachmann auf die neue Jahreslosung.

«Suche Frieden und jage ihm nach!» Psalm 34,15

Das hebräische Wort für Frieden, «Shalom», bedeutet auch Unversehrtheit und Heil; es beinhaltet Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit und Ruhe, und «Shalom» im Herzen, mit anderen und mit Gott, ist für mein Wohlbefinden unverzichtbar. Ich schreibe mir deshalb für 2019 diesen Frieden ins Herz, als Befehl und Auftrag, als Mission und Vision. Aber wie erreiche ich das? Ein bisschen Hirnarbeit und ein paar Inspirationen von anderen Bloggern haben mich auf folgende Ideen gebracht:

Für den Frieden in mir:
Planung und Priorisierung für ein Leben mit allen Sinnen

Ich will ein ausgeglicheneres Leben führen, das den Bedürfnissen von Körper, Seele und Geist gerecht wird. Im Rückblick auf das Versäumte heisst das vor allem weniger Bildschirmzeit und mehr Bewegung an der frischen Luft. Wenn ich mit allen Sinnen die Umwelt in mich aufnehme, ebbt meine Gedankenflut ab, bis ich tatsächlich im Hier und Jetzt bin, meinen Schritten lausche und den Geräuschen um mich herum, die Tannen und den Weg vor mir betrachte, die Kälte oder Wärme auf der Haut spüre. Und ganz oft, obwohl das gar nicht der Zweck war, fallen mir Ideen für mein Buch oder zu etwas anderem zu, das mich vorher beschäftigt hat.

Damit ich das schaffe, muss das “Leben mit allen Sinnen” priorisiert werden. Das bedingt, gut zu planen und kritisch zu prüfen, was ich sonst alles mache. In meinen Facebook-Memories ist kürzlich dieser Satz aufgetaucht (hier auf 2019 getrimmt):

Vorsätze für 2019
Einige Dinge tun.
Viele Dinge nicht tun. Wird auch sonst etwas eng.

Nach diesem Prinzip will ich meine Prioritäten prüfen und mir die folgenden Fragen stellen, die ich in ebenfalls auf Facebook entdeckt habe:

«Warum ich?»
Könnte das jemand anderes genauso gut oder besser?

«Warum jetzt?»
Ist es so dringend? Ist es der richtige Zeitpunkt?

«Warum auf diese Art?»
Kann man es anders, besser, einfacher machen?

«Warum überhaupt?»
Muss oder sollte es überhaupt gemacht werden?

Natürlich sind solche Fragen nur ein Hilfsmittel, und es gibt immer Aufgaben, die nun mal unsere sind und bleiben, aber die Frage zu stellen, kann schon einiges auslösen.

Für den Frieden mit anderen:
Meine Schlachten weise wählen, ohne Angst vor Konflikt

Ein “Bild des Friedens” auf einem der umgesetzten Spaziergänge 🙂

Meine Schlachten auszuwählen – zu entscheiden, ob es sich lohnt, sich aufzuregen und in den Ring zu steigen − fällt mir nicht so schwer, da ich mit einer eher hohen Reizschwelle ausgestattet bin. Dennoch ist es ein wichtiger Punkt. Schlachten zu wählen heisst, andere auszulassen, und wenn ich mich entscheide, nicht gegen etwas zu kämpfen, das mich stört, denke ich vielleicht, ich hätte verloren. Je nach Veranlagung kann dieser Gedanke an mir nagen und den Frieden, den ich anstrebe, behindern.  Daher will ich die Bedeutung von “Sieg” überdenken. Sieg kann auch heissen, dass ich mich entschliesse, einer vergifteten oder für mich nicht mehr stimmigen Situation den Rücken zuwenden, wenn ich realisiere, dass Wandel nicht möglich ist oder mich zu viel Zeit und Nerven kostet.

Mir fällt es schwerer, mich für den Kampf zu entscheiden. Ich streite mich ungern, und es belastet mich, wenn andere (vor allem die, die mir am Herzen liegen) mir böse sind oder meinen Weg missbilligen. Aber wenn etwas im Argen liegt, ist es wichtig, es zeitnah anzugehen. Je länger ich warte und das, was mir Sorgen macht, mich stört oder verletzt, stehen lasse, desto mehr ärgere ich mich, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ich das Thema ruhig vorbringen kann, und desto unwahrscheinlicher ist es wiederum, dass mein Gegenüber für meinen Ipnut empfänglich ist und etwas Gutes herauskommen kann.

Sich manchmal zufrieden geben

Das habe ich kürzlich bei Christof Lenzen gelesen: Für unser Wohlbefinden und damit auch für den Frieden in uns ist zentral, dass wir von uns selbst nicht in allen Belangen Höchstleistungen erwarten, sondern uns auch mal mit Mittelmass zufrieden geben. Wenn wir versuchen, in allem Exzellenz, Fehlerlosigkeit oder Perfektion zu erreichen, brennen wir im Nullkommanichts aus. Manchmal müssen wir bei «gut genug» aufhören und uns der Sache zuwenden, bei der die Perfektion für uns wichtiger ist.

Auf ihn schauen – den Friedefürst

Ein Beitrag auf einer katholischen Website hat mich wieder an diese zentrale Wahrheit erinnert. Er stammt von Inka Hammond, deren Buch «Tochter Gottes, erhebe Dich» heute bei SCM Hänssler herausgekommen ist und deren Blog «Alltagsliebe» ich sehr schätze. In ihrem Beitrag schreibt sie, wie die Stille zu den Füssen Jesu sie immer wieder erdet und ihr Ruhe schenkt. Diesen Platz will ich mir auch immer wieder suchen – nicht umsonst ist einer der Namen unseres Gottes «Friedefürst», und auch in seinem Wort verheisst er uns diesen besonderen Frieden.

Frieden anzustreben ist keine Strategie für Feiglinge oder Harmoniebedürftige, sondern harte Arbeit. Der Frieden muss gesucht und gejagt werden, und die Jagd, das schreibt Pfarrer Bachmann, lebt nicht nur von schnellem Handeln, sondern auch von Geduld. Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr die Weisheit habe, zu erkennen, wann was dran ist.  

Was ist mit Euch? Habt Ihr auch “Worte des Jahres”, Vorsätze oder Ähnliches, oder geht Ihr einfach gelassen los und schaut, wo es Euch hinführt? Oder noch besser: Beides?

Heute endet 2018 − ein Jahr, von dem ich wusste, dass es ein Jahr der Veränderungen und Entscheidungen, der Unsicherheiten und Unwägbarkeiten sein würde. Wann würde meine Teilzeitstelle enden, und würde ich einen Anschlussjob finden? Wie würde es mit meinem Buch vorangehen? Würde ich einen Verlag finden? Viele Fragen haben sich geklärt, und an diesem Silvester bin ich dankbar für alles, was ich dieses Jahr empfangen durfte: dank harter Arbeit, einem Quentchen Glück und immer auch dank der Ermutigung und Unterstützung anderer.

Mein Buch hat eine Heimat gefunden!

Das grösste Highlight dieses Jahres war der Tag, an dem ich wusste, dass der Verlagsdeal für mein Buch in trockenen Tüchern ist. Aber fangen wir etwas früher an: Diesen Sommer habe ich die letzten Überarbeitungen am Text vorgenommen, und danach war meine Agentin am Zug: Buchmesse in Frankfurt, Treffen mit Verlagslektoren. Ich zuhause, bang und hoffnungsvoll zugleich. Was, wenn niemand einen historischen Krimi mit Setting in der Schweizer Provinz verlegen wollte? Dann erste gute Nachrichten: die meisten angesprochenen Lektoren wollten Exposé und Leseprobe haben. Ein Verlag wollte rasch mehr lesen, und eine Woche nach der Messe kam der erste atemberaubende Augenblick: Das Telefonat meiner Lektorin, der Verlag wolle das Buch machen. Hosianna in der Höhe! Überwältigt setzte ich mich auf unsere Gartenbank und genoss diesen tollen Moment. Jemand will mein Buch! Noch am gleichen Abend legte meine Agentin nach: ein anderer Verlag war auch interessiert! Ich war völlig von den Socken.

Es folgten ein paar nervenaufreibende Wochen. Die Angebote kamen herein, und zwei grosse Publikumsverlage signalisierten, dass sie ebenfalls Angebote vorlegen wollten. Wo würde es hingehen? Was war am sinnvollsten für mich und mein Buch? Am 30. November fiel die Entscheidung, am 3. Dezember war der Deal gemacht, und mit Penguin wurde es der Verlag, zu dem es mich innerlich am meisten gezogen hatte.

Die Bundesräte sind in Druck!

Quelle: Verlag Schwabe / NZZ Libro

Ganz «Providentia Dei», wie mein Chef zu sagen pflegt, endet mein Teilzeitjob im Buchprojekt «Neuedition Bundesratslexikon» auf Ende Januar 2019. Da am 5. Dezember 2018 noch Ersatzwahlen stattfanden, konnte das Buch erst vor Weihnachten in den Druck und erscheint gemäss Angaben des Verlags Schwabe / NZZ Libro am 23. Januar 2019; einen Tag nach meinem Geburtstag. Damit endet eine fünfjährige, spannende und lehrreiche Anstellung bei meinem vormaligen Professor der Zeitgeschichte, Urs Altermatt, seinerseits profunder Kenner der Bundesratsgeschichte. Neben administrativen und redaktionellen Arbeiten konnte ich auch historische Recherchen durchführen und tief ins 19. Jahrhundert eintauchen, was mir viel Freude bereitet und Synergien erzeugt hat, die meinem eigenen Buch zugutegekommen sind. Auch eine Anschlussanstelle zu 20% ist schon gewährleistet; das spült etwas Geld ins heimische Budget und lässt mir daneben viel Zeit für mein Buch.

Musik und der «Ruf des Alters»

Neben diesen Meilensteinen durfte ich auch wieder musikalisch tätig sein, sei es am Weltgebetstag in der reformierten Kirche Signau oder am Firmgottesdienst des Patensohnes meines Mannes, zuletzt auf dem Grenchner Weihnachtsmarkt. Ich durfte und musste dieses Jahr aber auch einsehen, dass ich nicht mehr dreissig bin und dass ich meinem Jahresmotto der Balance noch mehr Gewicht geben sollte. Neben Ausbrüchen von Hautreizungen habe ich zeitweise gegen Erschöpfung angekämpft, und dass ich in der zweiten Jahreshälfte keine Ferien hatte, war nicht besonders weise. Gerettet und geerdet hat mich dann eine Auszeit mit meinem Mann im Ostallgäu – Begegnungen mit tollen Menschen, spannende Inputs vom Auszeitleiter Christof Lenzen, Zeit zu zweit und endlich mal wieder woanders sein.

An diesem Silvestertag blicke ich in ein Jahr voller Neuanfänge: Die Arbeit mit der Verlagslektorin an meinem Buch, das voraussichtlich im Herbst 2020 erscheinen wird; Abschluss meiner Anstellung und Neubeginn. Vieles, auf das ich mich enorm freue, das mich aber auch herausfordert. Aber die Freude überwiegt bei weitem. Und in all dem will ich nicht vergessen, Momente der Ruhe einzuplanen, mir Wind um die Nase wehen zu lassen, Vertrauen zu haben. Neugierig zu bleiben, immer mich selbst zu sein und auch andere anzunehmen, wie sie sind.

Und Ihr?

Wie war Euer 2018? Ekstatisch oder durchzogen, spannungsreich oder ruhig? Ich wünsche Euch in jedem Fall, dass auch Ihr heute zuversichtlich ins neue Jahr blickt und Euch auf das freuen dürft, was kommt. Und wenn es nach einer kurvigen Strasse aussieht, dann schicke ich Euch ein Licht auf diesen Weg, der Eure nächsten Schritte einfacher macht. Ich hoffe, wir lesen uns auch im neuen Jahr wieder!

Herzlich alles Gute, Claudia

Vor 104 Jahren, kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges, geschah an der Front Unglaubliches: es wurde Weihnachten.

Die Geschichte erscheint in diesen Tagen regelmässig in den Medien, aber sie berührt mich immer wieder neu. Die schriftlichen Zeugnisse darüber, so lese ich in einem Bericht meiner Zeitung, sind spärlich, aber einige blieben erhalten – unter anderen einer von Walter Imlah, Obergefreiter der britischen Armee, der mit seinem Kameraden vom ersten Bataillon der schottischen Gordon Highlanders im Graben lag. Und das ist damals geschehen:

Am Weihnachtstag erhoben sich urplötzlich deutsche Soldaten aus ihren Schützengräben und traten unbewaffnet hinaus ins Niemandsland zwischen den beiden Lagern; eine Aktion, die normalerweise den sofortigen Tod bedeutet hätte. Auf der gegnerischen Seite brach Unruhe aus, doch schliesslich machten sich schottische Offiziere auf den Weg zu den Gräben, um herauszufinden, was die Deutschen wollten. Diese erklärten, sie wollten einen Waffenstillstand, um ihre Toten aus dem Niemandsland zu bergen und zu begraben. Die Schotten gingen auf das Angebot ein, und in der Folge brachten sie die toten deutschen Soldaten zu den deutschen Gräbern; die Deutschen erwiderten den Dienst auf ihrer Seite. Glück oder Vorsehung wollte es, dass am selben Tag ein britischer Pfarrer an die Front versetzt worden war. Nachdem die Gräber zugeschüttet waren, wurde eine gemeinsame Messe organisiert, und die Männer, einen Tag zuvor noch erbitterte Feinde, hörten gemeinsam den 23. Psalm der Bibel. Nach der Messe verbrüderten sich die Soldaten, tauschten Adressen, Tabak und andere Kleinigkeiten aus.

Der Krieg ging danach weiter − nicht ein paar Wochen, wie die Soldaten wahrscheinlich hofften, sondern vielen blutige Jahre. Dennoch bleibt dieser winzige Augenblick im Weltenlauf, in dem die Soldaten innehielten und sich fragten, warum sie eigentlich gegeneinander kämpften, und erkannten, dass ihr Gegner ein Mensch war wie sie selbst – kein Kriegsmonster, sondern ein Mensch, der lieber bei seiner Familie gewesen wäre, ein Individuum mit Träumen, Hoffnungen und Gefühlen. Der Obergefreite Imlah schrieb später an seinen Vater, dass der Wunsch der Deutschen, die Toten zu begraben, seiner Meinung nach nur ein Vorwand war. Viel wahrscheinlicher schien ihm, dass der Grund dafür der Weihnachtstag war, Tag des Friedens und der Liebe zwischen den Menschen.

Weihnachten ist eine schmerzvolle Zeit, wenn wir mit denen, die wir lieben, in Konflikt stehen. Das Fest der Liebe löst eine unerträgliche Spannung aus. Der Wunsch nach Versöhnung reibt sich mit unseren Verletzungen, unserer Wut und Trauer, und dies um so intensiver, je näher uns Menschen stehen. Niemand kann uns tiefer verletzen als die, die wir lieben.

Ich wünsche allen, die in einem schmerzvollen Konflikt stehen, dass Weihnachten ein göttliches Licht auf Eure Situation wirft; ein Licht, das Euch die Menschen, mit denen Ihr im Streit steht, als das erscheinen lässt, was sie sind: Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften; Menschen, die Fehler gemacht haben, aber dennoch die Menschen, die Ihr liebt. Möge Weihnachten die Front aufweichen und Euch Hoffnung auf einen Durch- und Aufbruch schenken.