Cover Seelensnack 2…und die Freude groß! Ihr mögt mir verzeihen, dass ich diesem frohen Ereignis ein Post widme. Viele von Euch sind ja vielleicht auch gespannt, was sich aus meiner Ankündigung in einem Juli-Post entwickelt hat.

Zuerst eine Info für die, die später zugeschaltet haben: Im Sommer habe ich angekündigt, dass ich zum zweijährigen Jubiläum meines Blogs die besten Posts in einem kleinen Taschenbuch zusammenfassen werde. Dabei wart Ihr eingeladen, mir Eure Lieblingsposts zu melden, damit sie auch sicher im Büchlein enthalten sind. Ein paar von Euch – nämlich Silvia, Antje und Regula – haben das Angebot angenommen und erhalten wie versprochen ein signiertes Exemplar nach Hause geschickt. Sendet mir doch noch als Kommentar oder über Facebook-PN Eure Adresse, damit das Buch auch am richtigen Ort ankommt!

Weiter hatte ich vor, neben zwanzig alten Posts auch noch fünf brandneue ins Buch zu integrieren. Diese Idee habe ich am Ende fallen gelassen, vor allem, weil es mir schon so schwer fiel, mich unter den vielen existierenden Posts zu entscheiden. Am Ende haben es einunddreißig ins Buch geschafft, also eine ganze Monatsration! Ich werde Euch nicht verraten, welche Posts genau enthalten sind, aber ich habe sie in die fünf Unterkapitel Wofür mein Herz brennt, The real me, Creation calls, Gott und die Welt und Meine Lieben eingeteilt. Wer mehr wissen will, kann sich die Vorschau auf Amazon ansehen: Mit einem Klick auf “Blick ins Buch” findet Ihr in der Inhaltsangabe alle Posts und den Buchanfang.

Hinter dem kleinen Buch steckt eine Menge Arbeit, obwohl die Texte mit einer besonderen Ausnahme schon bestanden. Beim Lesen habe ich noch die eine oder andere Unebenheit ausgemerzt, ganz zu schweigen von kleinen grammatikalischen Fehlern, die nun hoffentlich alle beseitigt sind. Und neben der Arbeit am Text war das Wiedersehen mit meinen Posts aus zweieinhalb Jahren auch sehr berührend. Manchmal habe ich über mich selbst gestaunt und ein paar Tränen vergossen, manchmal war ich beim Lesen wieder mitten in der Gefühlslage, die das Post verursacht hatte. Eine schöne Erfahrung!

Jetzt ist das Büchlein also fertig und erhältlich: Eine Kiste davon steht bei mir, und die Datei ist auch auf Amazon aufgeschaltet. Wenn Ihr also für Euch selbst eine schöne Einstimmung auf Weihnachten wollt oder noch ein Geschenk sucht, kriegt ihr hier ganz einfach erklärt, wie Ihr dazu kommt:

Über Amazon als Taschenbuch oder Ebook: Guckst Du hier.
Über meinen Shop bei Bandcamp: Guckst Du hier.

Als Ebook bei:

Zum Preis: Das Buch kostet bei Amazon 9,97 Euro. In meinem Shop muss ich leider Porto draufschlagen (ich verschicke das selbst), weshalb es etwas teurer wird – vor allem für deutsche und österreichische Leser dürfte Amazon der beste Weg bleiben.

Wer keine Kreditkarte hat oder einfach nicht gern online mit Karte zahlt, darf mir über die Kontaktseite auf meiner Website auch eine Mail mit Bestellung und seiner Adresse schicken und bekommt das Buch mit Einzahlungsschein zugeschickt.

Es würde mich sehr freuen, wenn Ihr Euch selbst oder Eure Freunde mit einer Monatsration meiner Posts beschenken würdet. Als Indie-Autorin bin ich auch Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen. Auch Online-Rezensionen sind sehr hilfreich – falls Ihr also an meinen Posts und am Buch Freude habt, freue ich mich, wenn Ihr das nicht für Euch behaltet. Und jetzt wünsche ich Euch viel Spaß beim Reinschauen auf Amazon und freue mich auf hoffentlich zwei und mehr weitere Jahre Seelensnack mit Euch!
Herzlich
Claudia

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Bild: Pixabay

Der Herbst weckt in mir immer leicht melancholische Gefühle. Vielleicht liegt es an den fallenden Blättern und am Frühfrost, vielleicht daran, dass sich Mitte Oktober der Todestag meiner Mutter jährt, aber die Welt um mich herum mahnt mich mehr als sonst an die Vergänglichkeit des Lebens. Ein leiser Schmerz liegt in der kälter werdenen Luft, und ich gerate in eine wehmütige und nachdenkliche Stimmung.

In dieser Stimmung lasse ich das Jahr, lasse ich die Jahre Revue passieren, und am präsentesten sind mir in diesem Augenblick nicht meine Erfolge und schönen Erinnerungen, sondern all die Momente, in denen ich – vor allem an Menschen – versagt habe. In denen ich Fehler gemacht habe, die tiefe Auswirkungen auf Beziehungen und auf das Leben anderer hatten.

In einem Post hat ein befreundeter Blogger die Frage gestellt, ob wir ein Anrecht darauf haben, dass Menschen uns verzeihen. Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt, und in der wehmütigen Herbststimmung, angesichts meiner angehäuften Misstritte und dem daraus resultierenden „Fallout“ bewegt sie mich besonders. Das Bewusstsein, Menschen verletzt oder sogar geschadet zu haben, schmerzt, und die Gewissheit, dass mir verziehen wurde, würde diesen Schmerz entscheidend lindern. Dennoch lautet die Antwort, die ich mir selbst auf die Frage gebe, klar und deutlich „Nein“.

Natürlich dürfen wir hoffen, dass unserer Familie oder unseren Freunden im Fall eines Zwists genug an uns liegt, um wieder auf uns zuzugehen. Dass unser Ehepartner uns vergibt, weil wir uns versprochen haben, in guten und schlechten Zeiten zueinander zu stehen. Natürlich dürfen wir als Christen daran glauben, dass das Gebot Jesu, zu verzeihen, Herzen öffnet, die sich aus Wut und Verletzung gegen uns verschlossen haben. Aber einen Anspruch auf Vergebung haben wir nicht.

Wenn uns verziehen wird, ist es immer ein unverdientes Geschenk. Deshalb müssen wir damit leben, dass Menschen uns nicht vergeben können, selbst wenn sie wollen, andere uns nicht vergeben wollen, auch wenn sie könnten, und andere es weder können noch wollen. Wir können das, was wir anderen willentlich oder unwillentlich angetan haben, weder „gut machen“ noch uns ihre Vergebung erarbeiten oder erkämpfen – es liegt nicht in unserer Macht.

Die Erkenntnis, dass ich jemanden genauso wenig zwingen kann, mir zu verzeihen, wie ich ihn zwingen kann, mich zu lieben, hinterlässt in mir eine Leere, eine schmerzende Wunde und die Frage, ob ich denn gar nichts tun kann. Ich habe aus diesen Momenten die Gewissheit gewonnen, dass es doch etwas gibt, was ich tun kann und sogar tun muss, wenn ich die Zuversicht, das Vertrauen in mich selbst und die Energie für das aufbringen soll, was vor mir liegt.

Ich kann vergeben.
Und zwar mir selbst.

Dabei geht es nicht darum, erst sorglos auf anderen herumzutrampeln und dann fröhlich pfeifend davonzugehen. Wenn ich mir bewusst bin, dass ich mich falsch verhalten habe, sollte mich diese Erkenntnis verändern und mir helfen, es künftig besser zu machen. Doch es ist entscheidend, dass ich mir vergebe und die Last ablege. Wenn ich das nicht mache, sondern in schöner Regelmäßigkeit all meine Fehler, Sünden und Missstritte hervorkrame, werde ich zu meinem eigenen größten Feind und Ankläger.

Wenn wir zu der Sorte Mensch gehören, der es schwerfällt, die eigenen Schwächen und Fehler zu akzeptieren und diese Vergebung für uns selbst auszusprechen, dürfen wir eine Wahrheit in Anspruch nehmen, die auf ewig festgeschrieben ist:

Wenn wir Gottes Angebot der Vergebung annehmen, das er uns in Jesus macht, wird Gott uns vergeben. In seinen Augen werden und bleiben wir makellos, und wenn er in unserem Leben Priorität hat, nimmt seine Vergebung uns die Last von den Schultern – auch dann, wenn wir selbst oder andere uns die Vergebung verweigern.

Wir sind frei. Nicht frei von der Verantwortung für die Konsequenzen, die allenfalls aus unseren Fehlern entstanden sind, aber frei von dem, was wir uns zuschulden haben kommen lassen – sei es ein böses Wort, das verletzt, eine Hinterlist, die Menschen entzweit, oder eine tiefgehendere Sünde, die größere Konsequenzen nach sich gezogen hat.

In der Bibel stoße ich zu diesem Thema auf einen vermeintlichen Widerspruch, was die Vergebung bei Gott betrifft. In der Bergpredigt sagt Jesus:

„Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Wer Traumatisches erlebt hat, das sich nicht so schnell vergeben lässt, könnte diese Worte als niederdrückenden Zwang zur sofortigen Vergebung interpretieren. Ich glaube, dass Gott weiss, wie lange es dauert, schwere Verletzungen zu vergeben, und uns diese Zeit gewährt. Aber ich sehe die Bibelstelle als Ermutigung, das Gebot, zu verzeihen, ernst zu nehmen.

Persönlich will ich wo immer möglich anderen vergeben, wo sie mich verletzt, mir Unrecht getan oder mich hintergangen haben. Damit bereite ich den Boden dafür, dass auch mir vergeben wird. Und ich betreibe Seelenwellness, indem ich mein Herz immer wieder konsequent von Bitterkeit, Rachsucht und anderen negativen Gefühlen reinige und nicht zulasse, dass solche Gefühle Wurzeln schlagen.

Dies alles macht mir aufs Neue bewusst, dass wir Menschen schwache Gefäße sind – fähig zu allem möglichen Bösen, oft inkonsequent, feig und träge. Wenn ich mir vor Augen führe, wie schnell wir einander wehtun können, scheinen menschliche Beziehungen unglaublich zerbrechlich. Dennoch will ich mir immer wieder das Wunder vor Augen führen, dass wir einander auch tief verstehen können und dass es unter uns Liebe, Gemeinschaft, Unterstützung und auch immer wieder Vergebung gibt.

Menschliche Gemeinschaft wird uns nicht einfach geschenkt. Sie ist riskant, schmerzhaft, herausfordernd. Dass wir in ihr und an ihr immer wieder scheitern, scheint unausweichlich. Und doch ist sie es wert, sein Herz immer wieder zu Markte zu tragen, es zu öffnen und Begegnung zuzulassen. Ich will weder an meinen Fehlern noch an denen der anderen zerbrechen und mich erinnern, dass Beziehungen das sind, was unserem Gott am allerwichtigsten ist. Für unsere Beziehung zu ihm hat er uns seinen Sohn geschickt, und uns Menschen hat er so erschaffen, dass wir einander brauchen und aneinander wachsen.

Und wenn mir das Herz ob meiner Schwächen und der anderer Menschen brechen will, wenn ich verzagen und mich verkriechen will, um keinen Schaden anzurichten und nicht verletzt zu werden, lege ich mir die Worte von C.S. Lewis auf die Brust:

„Lieben heißt verletzlich sein. Liebe irgend etwas, und es wird dir bestimmt zu Herzen gehen oder gar das Herz brechen. Wenn du ganz sicher sein willst, dass deinem Herzen nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal an ein Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen; meide alle Verwicklungen; verschließ es sicher im Schrein oder Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein – sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich. es bricht nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Die Alternative zum Leiden, oder wenigstens zum Wagnis des Leidens, ist die Verdammung. Es gibt nur einen Ort außer dem Himmel, wo wir vor allen Gefahren und Wirrungen der Liebe vollkommen sicher sind: die Hölle.“

Schirm SchweizDer Nationalfeiertag ist auch für Schweizer etwas Schönes. Bitter zwar, wenn er wie dieses Jahr auf einen Samstag fällt – dafür kann ich als Entschädigung zwei weitere Highlights feiern!

Bild: Pixabay

Heute vor zwei Jahren habe ich mit “Seelensnack” angefangen. Seitdem sind mit dem heutigen Post 111 Beiträge erschienen (passend zur Solothurner Zahl 11!), und das Bloggen macht mir immer noch eine Menge Spass. Feiern werde ich dieses Jubiläum wie bereits angekündigt mit der Publikation der schönsten Beiträge von “Seelensnack” in einem handlichen Taschenbuch. Es soll rechtzeitig vor Weihnachten erscheinen, und schon bald erfahrt Ihr, welche Beiträge es in das Büchlein schaffen werden.

Das weitere Highlight: heute habe ich meine Website “Klare Töne” mit neuem Look veröffentlicht und dazu auch das Design von “Seelensnack” entsprechend angepasst. Es ist noch nicht alles perfekt – warum der Titel in dieser sagenhaften Grösse angezeigt wird, hat sich mir beispielsweise noch nicht erschlossen. Aber ich hoffe, Ihr mögt es; I’ll keep working on it!

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Heute bleibe ich kurz und geniesse den Nationalfeiertag. Der Blog würde aber seinem Namen nicht gerecht werden, wenn ich nicht auch noch ein paar kleine Gedanken dazu teilen würde:

Ich freue mich heute über 724 Jahre Eidgenossenschaft, auch wenn mir klar ist, dass unser Staat in seiner jetzigen Form eher 1848 aus der Taufe gehoben wurde. Ich bin stolz auf mein Land, obwohl es auch seine Mängel hat, aber ich bin vor allem dankbar. Dankbar, dass ich unverdientermassen in einem Staat aufwachsen darf, in dem ich weder für meine Meinung noch für meinen Glauben verfolgt werde, indem ich mich ausbilden und mein Glück suchen kann und nicht die schlechteste Chance haben, es zu finden.

Ich leugne nicht, dass die Zuwanderung für uns alle eine Herausforderung ist, aber ich will nicht vergessen, dass auch unser Land andere Zeiten kannte: Zeiten, in denen sich Katholische und Reformierte aufs Blut hassten, Zeiten, in denen sich Menschen auf den Weg nach Amerika machten, um – Überraschung – ein besseres Leben zu finden. In der “Aargauer Zeitung” von gestern hat Journalist Benno Tuchschmid eine Hommage an “Flüchtlinge” geschrieben, die unser Land geprägt und weitergebracht haben – ein lesenwerter Artikel, der mich daran erinnert, dass wir viel Gutes in unserem Land nicht zuletzt der Inspiration “von aussen” verdanken.

Ich glaube nicht, dass Gott seine Vorlieben für Nationen im politischen Sinn hat, und der Gedanke, das es so sein könnte, war schon immer der Anfang gefährlicher Entwicklungen. Aber ich freue mich, dass unsere Verfassung mit der Präambel “Im Namen Gottes des Allmächtigen”  beginnt, und daran, dass sich unsere “fromme, spiessige” Nationalhymne bisher behaupten konnte – trotz aller laufenden Bestrebungen für eine modernere Variante. Freuen wir uns noch ein bisschen daran, und wer mag, denkt heute an die letzten beiden Zeilen der ersten Strophe:

Wenn der Alpenfirn sich rötet, betet, freie Schweizer betet
Eure fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland!

Allen hiezulanden und ausserhalb einen wunderbaren 1. August!

 

SteilwandIch weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich bin selten zufrieden mit dem, was ich gesanglich, schreibtechnisch, organisatorisch oder zwischenmenschlich hinkriege – es geht immer noch besser. Das stresst mich in der Regel nicht, solange ich mir eine Portion gesunden Realismus bewahre.

Damit kann ich einschätzen, ob ich die „Mängel“ mit mehr Übung oder gutem Willen hätte beheben können oder ob es einfach das Beste war, was ich momentan schaffe. Solange ich diese Unterscheidung mache, kann ich motiviert nach meinem Ideal streben und das Potential anzapfen, das in mir schlummert.

Drifte ich aber in Richtung Perfektionismus ab, wird es gefährlich.

Wenn ich Lee Harpers „Wer die Nachtigall stört“, einen Krimi von Dick Francis oder einen Thriller von Stephen King lese, weiß ich, dass ich genau so schreiben möchte. Mir ist aber klar, dass noch ein langer Weg vor mir liegt und ich das hier und heute nicht so hinkriegen werde. Wenn ich versuche, einen Song von Eva Cassidy detailgetreu nachzusingen, spornt mich das an, und ich habe so schon viel gelernt. Wenn ich aber erwarte, dass ich mich jetzt so anhöre wie sie und das Gefühl habe, versagt zu haben, wenn dem nicht so ist, gebe ich vielleicht auf – oder ich rede mir ein, dass ich genauso klinge und alles super ist.

Wenn er uns dazu verführt, aufzugeben oder unsere Leistung schönzureden, kann der Drang nach Perfektion paradoxerweise gerade verhindern, dass wir uns entwickeln und unser Potential ausschöpfen. Und während das bei unseren Talenten schon sehr schade ist, hat es verheerende Folgen, wenn es um unseren Charakter geht.

Wir haben alle noch eine Menge Luft nach oben. Die einen gehen Konflikten gern aus dem Weg, andere neigen zu Ungeduld und Unbeherrschtheit oder dazu, abfällig über andere zu sprechen. An diesen Neigungen können wir arbeiten, uns verändern und verändern lassen. Wenn wir von uns aber Perfektion erwarten und uns bei jedem Ausrutscher das Gefühl beschleicht, versagt zu haben, laufen wir Gefahr, unsere Augen vor diesen Schwächen zu verschließen. Damit verweigern wir uns dem Wachstum und kommen vielleicht nie an den Ort, den Gott für uns vorgesehen hat – oder wir kommen unvorbereitet dort an und produzieren am Ende mehr Schaden als Gutes.

Wie kommen wir aus der Perfektionsmusfalle heraus? Ein Schlüssel für mich war die erstaunliche Veränderung des Hitzkopfs Petrus.

Als er Jesus auf dem See Genezareth begegnete, hatte Petrus gerade eine Nacht lang erfolglos versucht, Fische zu fangen. Jesus wies ihn an, die Netze noch einmal am selben Ort auszuwerfen, und obwohl Petrus sich nicht viel davon versprach, tat er es. Als die Netze sich daraufhin zum Bersten füllten, war er tief erschüttert.

„Als aber Simon Petrus das sah, fiel er zu den Knien Jesu und sprach: ‘Herr, gehe von mir hinweg, denn ich bin ein sündiger Mensch.’“ (Lukas 5,8)

Der Anblick dieses Wunders machte Petrus klar, dass Jesus kein gewöhnlicher Rabbi, sondern, wie er später zu Jesus sagte, „Der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ war. Und die Vorstellung, mit all seinen Schwächen und seiner Sündhaftigkeit dem Heiligen so nahe zu sein, entsetzte ihn.

Am Ende des Neuen Testaments begegnen wir einem völlig anderen Petrus. Nach der Auferstehung Jesu fischten die Jünger wieder am See Genezareth und fingen einmal mehr gar nichts. Da rief ihnen Jesus vom Ufer aus zu, die Netze auszuwerfen. Die Jünger erkannten den Auferstandenen nicht, aber sie gehorchten und sahen auch dieses Mal, wie sich die Netze füllten und zu reißen drohten. Daraufhin erkannte Johannes Jesus und sagte zu Petrus, dass es der Herr sei. Und was tat Petrus?

„Als nun Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er das Obergewand um sich, denn er war nur im Untergewand, und warf sich in den See.“ (Johannes 21, 7)

Die anderen Jünger fuhren mit dem Schiff zum Ufer, aber Petrus konnte nicht warten. Der Mann, der sich einst für seine Sündhaftigkeit geschämt und Jesus gebeten hatte, sich von ihm zu entfernen, warf sich voll bekleidet ins Wasser, um seinem Freund und Herrn so schnell wie möglich wieder nahe zu sein.

Wie war dieser Wandel möglich? Hatte Petrus in den paar Jahren bewiesen, dass sein Charakter ohne Fehl und Tadel war und er es sich verdient hatte, in Jesu Nähe zu sein? Eher nicht. Tatsächlich hatte Petrus erst vor ein paar Tagen ein vollmundiges Versprechen ewiger Treue geleistet und gleich darauf schändlich versagt.

Nach dem letzten gemeinsamen Mahl hatte Jesus seine Jünger damit konfrontiert, dass sie ihn alle verlassen würden. Petrus widersprach heftig und beteuerte, er würde Jesus auch ins Gefängnis und in den Tod folgen, worauf Jesus erwiderte, bevor der Hahn krähe, werde ihn Petrus nicht nur einmal, sondern gleich dreimal verleugnen.

Jesus sollte recht behalten. Als Petrus mit ansehen musste, wie man seinen Herrn abführte und die Option „Gefangennahme und Tod“ plötzlich real wurde, schrumpften all seine heißblütigen Beteuerungen in sich zusammen. Bevor er wusste, was passiert war, hatte er dreimal behauptet, Jesus nicht zu kennen. Der Hahn krähte, Petrus realisierte seinen Verrat – und weinte bitterlich.

Diese Ereignisse sind noch frisch, als Petrus Jesus am See begegnet, und dennoch versteckt er sich nicht voller Scham, sondern stürzt sich kopfüber in die Fluten, um bei Jesus zu sein. Was war geschehen?

Ich glaube, mit der Auferstehung Jesu wurde Petrus klar, dass Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung Sünde und Tod endgültig besiegt und damit jeden Menschen mit sich selbst und mit Gott versöhnt hat. Petrus begriff, dass ihn nun keine Charakterschwäche und kein Fehlverhalten mehr von seinem Gott trennen konnten, weil sein Herr all das mit ans Kreuz genommen hat. Ihm wurde klar, dass an diesem Kreuz auch sein altes Ich gestorben und er selbst als neuer Mensch auferstanden war – als Mensch, der nach wie vor gegen Schwächen kämpft, der aber nicht mehr danach handeln muss und ungeachtet seines täglichen „Erfolgs“ auf ewig erlöst ist.

Gott weiß, dass ich Luft nach oben habe. Dennoch nimmt er mich im aktuellen, verbesserungswürdigen Zustand uneingeschränkt an. Das hilft mir, mutig auf meine Schwächen zu blicken und nicht daran zu verzweifeln. Es ermöglicht mir, einem vielleicht unerreichbaren Ziel nachzueifern, daran zu wachsen und dennoch jeden Tag mit dem zufrieden zu sein, was ich schon erreicht habe.

Und so macht mir Wachsen und Lernen Freude – und sogar das Straucheln wird zu einer zwar nicht angenehmen, aber doch erhellenden Erfahrung, die mich der Erkenntnis, dass ich Gott brauche, und damit Gott selbst immer näher bringt.

Wie geht es Dir mit dem Thema Perfektion? Bist Du da “voll easy” und entspannt, oder erwartest Du immer sehr viel von Dir? Und was hilft Dir, loszulassen?

Herz WasserWer meinen Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich in letzter Zeit einige Stürme durchlebt habe. Obwohl ich noch in unruhigen Gewässern schaukle, konnte ich nach einem längeren Prozess einen Schritt tun, um das Knäuel zu entwirren – und die Wende in diesem Prozess markiert eine Nachricht auf WhatsApp.

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Vor einigen Monaten besuchte mich eine gute Freundin aus meiner Kirche. Wir tranken zusammen Kaffee, und irgendwann überwand ich mich, ihr von meinen Problemen zu erzählen. Sie brachte mir viel Mitgefühl entgegen und erkundigte sich von da an immer mal wieder, wie es mir ging, ohne sich aufzudrängen oder mir das Gefühl zu geben, ausgefragt zu werden. So wurde sie zu meiner Vertrauten, der ich mein Herz ausschütten konnte.

Vor etwa einem Monat war ich gerade an der Arbeit, als sie sich per WhatsApp meldete. Ich konnte ihr nichts Neues berichten und entschuldigte mich, weil ich sie mit all dem belastete und immer noch nicht „weiter“ war. Dann wartete ich etwas ängstlich auf ihre Antwort. Sicher war sie enttäuscht von mir, und vielleicht würde sie mich ihren Unmut spüren lassen. Ich wappnete mich innerlich für eine kalte Brise, als nach einer gefühlten Ewigkeit das weiße WhatsApp-Lämpchen aufleuchtete.

Ihre Nachricht war kurz – sie schrieb lediglich, ich belaste sie keineswegs; sie sei froh, dass ich mich ihr anvertraue, und es tue ihr sehr leid, dass sie mir keine größere Hilfe sein könne. Doch mit diesen paar Worten vermittelte sie mir alles, was ich so sehr brauchte, und nichts von dem, wovor ich mich gefürchtet hatte – kein Milligramm Ärger oder Verurteilung, dafür jede Menge Verständnis und Mitgefühl.

Meine Augen füllten sich mit Tränen, und etwas in mir schien erst weich zu werden, dann zu schmelzen und zusammen mit meinen Tränen aus mir herauszufließen. Ich fühlte mich unfassbar geliebt und angenommen, und das erste Mal seit langem konnte ich glauben, dass alles gut werden würde – auch wenn ich noch keine Ahnung hatte, wie das gehen sollte.

Nach einigen Minuten beseitigte ich die Spuren meines „Gefühlsausbruchs“ und verließ mein Büro, um ein paar Kopien zu machen. Auf dem Weg zum Drucker fragte ich mich, was Gott wohl vorhatte, um das Problem zu beseitigen, das meinen Sturm unter anderem ausgelöst hatte. Wollte er, dass ich mich mit der schmerzhaften Situation abfand? Oder wollte er das Wunder vollbringen, das in meinen Augen nötig war, damit sich etwas änderte?

Mitten in diese Fragen schob sich ein fremder Gedanke in mein Bewusstsein. Der Satz kam definitiv nicht von mir, denn er war an mich gerichtet. Und er war kurz und klar:

„Ich will, dass Du treu bist.“

Ich will, dass Du treu bist. − Ich fühlte, wie dieser Satz in mir widerhallte und Wellen auslöste wie ein Stein, der in einen Teich geworfen wird.

Gott sagte mir nicht einfach, dass er meinen Gehorsam wollte. Mit seinen Worten ließ er mich wissen, dass ich mich nicht um die Lösung des Problems zu kümmern habe und dass sein Wunsch an mich derselbe bleibt − unabhängig davon, was er in dieser Sache tun oder nicht tun wird. Und endlich spürte ich, wie der Wunsch, wahrhaftig und treu zu sein, aus meinem unruhigen Herzen emporstieg und mit neu entfachter Glut zu brennen begann. Die Liebe und Annahme, mit der mir meine Freundin begegnet war, hatte meinen Widerstand geschmolzen und mein wundes, rebellisches Herz geheilt und verändert.

***

Wie begegnen wir den Schwächen und Ungereimtheiten im Leben anderer? Stoßen wir sie mit der Nase hinein, um sie zu demütigen, schimpfen wir sie mit dem gestreckten Zeigefinger aus und lassen sie unsere Verachtung spüren? Genießen wir vielleicht sogar unsere Überlegenheit, weil uns „so etwas“ nie passieren könnte? All das können wir tun, und vielleicht erfüllt es uns einen Moment mit Befriedigung − aber wir werden weder ihr Leben noch die Welt einen Deut besser machen. Begegnen wir den Schwächen und Hilferufen unseres Nächsten jedoch mit Liebe und Mitgefühl, ist alles möglich.

„Liebe kann und wird uns in jeder Hinsicht umgestalten – unsere Ideologie, unsere Meinungen, unsere Gewohnheiten, unsere Werte, unsere Prioritäten, sogar unsere Namen. Doch diese Verwandlung ist keine Voraussetzung oder Bedingung, sie ist keine Verhaltenskorrektur, das ist sie nie. Nicht, wenn es Liebe ist…“
Sarah Bessey, „You’re already so loved“

Alle Menschen, ob sie sich Christen nennen oder nicht, können Liebe und Annahme ausstrahlen und damit anderen ein Segen sein. Aber wenn wir Christen, in denen Jesus lebt, uns nach unseren Nächsten ausstrecken, erfahren sie seine liebende Gegenwart. Und sie ist es, die Herzen verändert.

Jesus hat während seiner Zeit auf Erden auch eine Menge schräge Gestalten um sich versammelt. Keiner seiner Jünger war perfekt, und einige waren auf seltsamen Pfaden unterwegs. Was hat sie dazu bewegt, alles stehen- und liegen zu lassen und mit ihm zu gehen? Nicht, dass er ihnen klar gemacht hat, wo sie falsch liegen, nicht seine Predigt über die zehn Gebote – das kam danach. Zuerst waren es seine Liebe und Annahme, die sie mit unwiderstehlicher Kraft zu ihm zogen.

Wenn wir Menschen erreichen wollen, tun wir gut daran, uns Jesu Vorbild ins Herz zu schreiben. Und für alle, die wie ich besser darin sind, anderen Lösungsvorschläge herunterzubeten: lasst uns stattdessen zuhören, lieben und annehmen. Das Resultat könnte uns vom Hocker hauen.

Ich weiß nicht, ob es den sagenumwobenen „Stein der Weisen“ wirklich gibt – diese mythische Substanz, die nach dem Glauben der Alchemisten unedle Metalle wie Quecksilber in Gold oder Silber verwandeln und jede Krankheit heilen kann.
Ganz sicher aber sind Liebe und Annahme der „Stein der Weisen“ für unser Herz – fähig, alle Wunden zu heilen und jedes Herz zu verwandeln.

100 Posts 4Letzte Woche habe ich das 100. Post auf “Seelensnack” veröffentlicht – Freude herrscht, wie unser Alt Bundesrat Ogi sagen würde! Ich habe bereits angekündigt, dass ich dieses Jubiläum mit etwas Besonderem begehen will und im nächsten Post mehr darüber erzähle. Das will ich nun tun und Euch in meinen Plan einweihen – Ihr seid nämlich Teil davon.

Bildquelle: Pixabay

„Best of Seelensnack“!
Zu Ehren der 100 Posts und zum Jubiläum „Zwei Jahre Seelensnack“, das ich am 1. August 2015 feiern werde, wird im Advent 2015 „Best of Seelensnack“ erscheinen – mit den 25 besten Posts aus zwei Jahren Seelensnack sowie 5 brandneuen Posts, die nur in dieser kleinen Jubiläumsausgabe veröffentlicht werden. Es soll ein handliches und preiswertes Büchlein werden, das man jederzeit in der Tasche tragen und gut verschenken kann.

100 PostsUnd so kommt Ihr ins Spiel:
Die 25 besten Posts bestimme ich einerseits anhand der Statistik (was wurde am meisten gelesen und/oder geteilt?), andererseits anhand meiner persönlichen Vorlieben und nicht zuletzt anhand Eurer Feedbacks: In diesem Sinne meine Frage an Euch:

Welches Post hat Euch besonders berührt, zum Nachdenken oder zum Lachen gebracht, und Ihr möchtet, dass ich es in die Sammlung nehme?

Ihr könnt von heute bis am 1. August 2015 hier im Kommentarbereich angegeben, welche Posts Eurer Meinung nach unbedingt in das Buch gehören. Am Stichtag werte ich Eure Kommentare aus, und die 5 meistgenannten erhalten mit Sicherheit einen Platz. Damit Ihr schon mal seht, wie die Statistik so aussieht – hier die aktuellen Top Ten nach Clicks:

Zwei Schweizer in Ortenberg – Liebeserklärung an den „Kaale Märt“
Reduce to the max – warum es cool ist, Minimalist zu sein
Das Glück dieser Erde – „back tot he roots“ in Olsberg!
„Help!“ – oder alles über den Nutzen einer EDJE-Box
Mein Grünes Herz – 5 Gründe, warum ich Irland liebe
40 Jahre Schwesterherz – eine wunderbare Blume am Familienzweig
Gott ist gut, und alles wird gut. Echt…? Und wann?
Treffen sich zwei Planeten – von Eltern und Kinderlosen
Sheldon, Mr. Darcy und ich – von der Innenwelt eines INTJ
Weder Miesepeter noch Mauerblume – was es wirklich heißt, introvertiert zu sein

 
100 Posts 2Redet mit bei den 5 neuen Posts!
Doch damit nicht genug: Ihr habt die Möglichkeit, den Inhalt der fünf brandneuen Posts mitzubestimmen. Jetzt sind Eure Phantasie und Euer Einfallsreichtum gefragt:

Worüber wolltet Ihr schon immer mal was von mir lesen?

Ihr könnt mir eine provokante Frage zum Glauben, privater oder philosophischer Natur stellen oder ein Thema vorschlagen, dass Euch sonst auf dem Herzen brennt – Eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Schreibt Eure Ideen einfach in den Kommentarbereich, und am 1. August werde ich die 5 Themen, die mich am meisten reizen und bei denen ich glaube, dass ich auch etwas dazu zu sagen habe, auswählen, dazu die Posts vorbereiten und sie in die Sammlung integrieren. Und jeder, der mich zu einem dieser 5 Posts inspiriert hat, bekommt ein Gratisexemplar von „Best of Seelensnack“.

Nun bin ich schon sehr gespannt, was ich von Euch hören werde – schaut Euch ein wenig um und lest noch das eine oder andere, und lasst mich dann wissen, was Euch gefällt.

Danke Euch allen!
An dieser Stelle möchte ich allen, die auf meinem Blog vorbeikommen, herzlich für die Treue danken. Egal, ob Du den Blog abonniert hast (was mich natürlich ganz besonders freut!), ob Du regelmäßig liest und kommentierst oder sporadisch reinschaust – ich freue mich über Dein Interesse und hoffe, dass Du weiterhin den Weg zu “Seelensnack” findest.

100 Posts 3Herzliche Grüße und auf die nächsten 100 Posts!

Cover GZDas lange Warten hat ein Ende: Pünktlich zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Europa erscheint “Gefährliche Zettel”, der historische Jugendroman von Lee Strauss. Ich habe das Buch ins Deutsche übersetzt und bin begeistert davon! Wer einen Teenager zuhause hat oder selbst gern historisch angesiedelte, packende Romane mit etwas Romanik und viel Spannung liest, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Hier ein kurzer Einblick in den Inhalt:

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Sahara_Crash_-1935-_copyright_free_in_Egypt_3634_StEx_1_-croppedIn drei Tagen jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Dass dieses Jubiläum ansteht, kann man zurzeit nicht übersehen: Wenn man den Fernseher anmacht, laufen auf allen Kanälen Sendungen über das Dritte Reich und den Krieg. Vergangenen Sonntag habe ich in die „Bilanz“-Serie über Hitler hineingeschaltet, und die Originalaufnahmen von Tod und Verwüstung, Gewalt und unsäglicher Grausamkeit haben mich tief getroffen.

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Sahara_Crash_-1935-_copyright_free_in_Egypt_3634_StEx_1_-croppedIn drei Tagen jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Dass dieses Jubiläum ansteht, kann man zurzeit nicht übersehen: Wenn man den Fernseher anmacht, laufen auf allen Kanälen Sendungen über das Dritte Reich und den Krieg. Vergangenen Sonntag habe ich in die „Bilanz“-Serie über Hitler hineingeschaltet, und die Originalaufnahmen von Tod und Verwüstung, Gewalt und unsäglicher Grausamkeit haben mich tief getroffen.

 

 

Obwohl es seit diesen Grausamkeiten immer wieder zu Völkermorden gekommen ist, gelten die Verbrechen am jüdischen Volk und an anderen Minderheiten während des Dritten Reiches immer noch als düstere Spitze des unfassbar Bösen, und noch heute lassen sie uns mit einem Gefühl der Ohnmacht, des Horrors und einer ratlosen Ungläubigkeit zurück.

Wie kann sich der einzelne dermaßen aufhetzen lassen, dass er seinen Mitmenschen so etwas antut oder tatenlos dabei zusieht? Wir wissen es nicht, und wenn wir uns heute umsehen, finden wir genug Beispiele rund um den Globus, die die gleichen Fragen aufwerfen und uns erneut verzweifeln lassen.

Dennoch denke ich heute daran, dass auch in diesen dunklen Zeiten Blumen der Menschlichkeit blühen durften. Ich denke an den Industriellen Oskar Schindler, der viele Juden vor der Deportation gerettet hat, oder an den St. Galler Polizisten Paul Grüninger, der durch die Vordatierung ihrer Einreisevisa mehreren hundert Juden und anderen Flüchtlingen die Einreise in die Schweiz ermöglichte. So wurde auch damals das Böse immer wieder mit Gutem überwunden.

Der Pilot und Schriftsteller Antoine de St. Exupéry, der vor allem durch seine Fabel vom „Kleinen Prinzen“ berühmt wurde, hat auch viele seiner Kriegserlebnisse in Worte gefasst und sich Gedanken über die Welt, die Menschen, die Liebe und Gott gemacht. In seinem Werk „Terre des hommes“, das Anfang 1939 erschien, traf er unheimlich genau den Nerv der Zeit und blickte in die kommende düstere Zukunft:

„Wir alle fühlen mehr oder minder deutlich eine Sehnsucht nach der wirklichen Geburt. Aber uns drohen trügerische Lösungen. Man kann die Menschen ja auch aufwecken, indem man sie in Uniformen steckt. Dann singen sie ihre Kampflieder und teilen ihr Brot als Kameraden miteinander. Dann meinen sie gefunden zu haben, was wir suchen, das Allverbindende. Aber an dem Brot, das man ihnen bietet, müssen sie sterben.“

Im gleichen Werk verbindet er den Menschen und sein Schicksal mit dem seines Nächsten und schreibt:

„Menschsein heißt verantwortlich sein. Scham empfinden beim Anblick einer Not, auch wenn man augenscheinlich nicht schuld an ihr ist. Stolz sein auf den Erfolg, den die Kameraden errungen haben. Das Gefühl haben, dass der Stein, den man setzt, mitwirkt am Bau der Welt.“

Mir begegnet in St. Exupérys Texten sein Glaube, sein Wissen um die Vergänglichkeit des Materiellen und seine tiefe Überzeugung, dass der Mensch nur in seiner Verbindung zu anderen Menschen seine Bestimmung erfüllt. Und vielleicht ist dieser letzte Punkt der Schlüssel, mit dem das Leid in unserer Welt bekämpft werden kann.

Ideologien wie das Nazitum schaffen es immer wieder, dem Fremden, dem „anderen“, das menschliche Gesicht zu entreißen und ihn zu einem Tier oder gar einer Sache zu degradieren. Und wenn ich den anderen erst einmal nicht mehr als Mitmenschen, sondern als Tier oder als Sache sehe, interessiert mich sein Schicksal nicht mehr. Jedes Mitgefühl stirbt und weicht Gleichgültigkeit oder Hass .

Doch was schon John Donne in seinem Gedicht „Niemand ist eine Insel“ geschrieben hat, gilt: wir Menschen sind miteinander verbunden, und das Leid des anderen ist auch mein Leid. Wenn wir uns das bewusster machen und den Bruder im anderen sehen, wird uns auch sein Wohl mehr am Herzen liegen, wird sein Leid uns bewegen, und wir werden danach handeln.

Dafür müssen wir nicht alle nach Afrika reisen, um Brunnen zu bauen – es gibt in unserem Umfeld genug Menschen, denen ein freundlicher Blick, ein Wort oder eine Hilfestellung wieder zeigen würden, dass sie nicht allein sind. Und je mehr wir den anderen als Mitmenschen sehen, desto immuner sind wir gegen Hassideologien und Versuche, andere zu einer Sache zu machen.

Ich bin keineswegs der geborene Menschenfreund und Kümmerer – ich bin eigenbrötlerisch veranlagt und drehe  mich oft um meine eigene Achse. Aber wenn ich mich an die dunklen Tage vor 70 Jahren erinnere, will ich es mir zum Ziel machen, in jedem Menschen – egal, woher er kommt oder wie viel wir gemeinsam haben – den Bruder und die Schwester zu sehen, dessen Schicksal mich nicht kalt lassen darf.

Und ich erinnere mich daran, dass auch für St. Exupéry diese Verbindung zwischen den Menschen ihren Ursprung in Gott hatte.

“Jahrhundertelang hat meine Kultur durch die Menschen hindurch Gott betrachtet. Der Mensch war nach dem Ebenbild Gottes geschaffen. Man achtete Gott im Menschen. Die Menschen waren Brüder in Gott. Dieser Abglanz Gottes verlieh jedem Menschen eine unveräusserliche Würde. Die Beziehungen des Menschen zu Gott begründeten ganz klar die Pflichten eines jeden gegenüber sich selbst und dem Nächsten (…) Die innere Schau Gottes machte die Menschen gleich, weil gleich in Gott…Gleichheit ist nur noch ein sinnloses Wort, wenn nichts vorhanden ist, worin sich diese Gleichheit knüpfen lässt.”
(Pilote de guerre).

Eigentlich wollte ich das 100. Blogpost für eine besondere Ankündigung verwenden, aber diese Gedanken haben sich dazwischen geschoben. Daher verschiebe ich meine News auf den nächsten Beitrag. Ihr dürft gespannt sein…!

newspapers-444448_1280In unseren Breitengraden muss man nicht viel befürchten, wenn man sich zu Jesus bekennt – der Kopf bleibt in der Regel dran. Trotzdem kann der Schritt an die Öffentlichkeit je nachdem einigen Wirbel verursachen, wie der Fall von Daniel Boecking zeigt – seines Zeichens stellvertretender Chefredaktor der „Bild“-Zeitung.

Bildquelle: Pixabay

In seinem Artikel „Warum ich mich heute als Christ outen will!“ hat Boecking sich vor einigen Tagen zu seinem Glauben geäußert und dabei unter anderem geschrieben, dass die ISIS-Thematik ihn dazu bewogen hat, öffentlich zu seinem Christsein zu stehen.

Seine Aktion hat die verschiedensten Reaktionen provoziert – Freude, Respekt, aber auch eine Menge Kritik und Häme. Auf Twitter wurde Boecking gefragt, worin der Mut bestehen solle, sich in einem Land als Christ zu outen, in dem man weder mit Verfolgung noch mit sonstiger Ächtung rechnen müsse. Wieder andere schrieben spöttisch, da sei einer offenbar nach 15 Jahren bei der “Bild” plötzlich Christ geworden, und einige waren der Meinung, dass Boecking seinen Mut besser darin beweisen würde, dass er seine Stelle kündige.

Ich kann diese Argumente verstehen. Aber ist diese Häme wirklich die richtige Art, auf den Artikel zu antworten? Sicher ist es ebenso übertrieben, Boecking gleich in den Olymp der hehren Glaubensstreiter zu befördern, aber es sollte auch noch etwas dazwischen geben.

Als ich den Link zu besagtem Artikel das erste Mal gesehen habe, habe ich ihn ignoriert, weil ich fand, das könne ja nichts sein, wenn es in der „Bild“ steht. Dann wurde der Artikel von einer Kollegin gelobt. Ich beschloss, mir selbst ein Bild zu machen, und fand Boeckings Worte sehr nahbar und authentisch. Und was den Mut betrifft: der Mann wird auch mit den negativen Reaktionen, die ihm jetzt entgegenschlagen, gerechnet haben. Unter diesem Aspekt war es eben doch mutig, in seiner Position einen so persönlichen Artikel zu veröffentlichen.

Finde ich es gut, dass ein bekennender Christ als stellvertretender Chefredaktor bei der “Bild” arbeitet? Kann ich es nachvollziehen? Zweimal nein. Für mich passt es nicht zusammen. Trotzdem lese ich im Artikel von Boecking den aufrichtigen Wunsch, Menschen Gottes Liebe erfahrbar zu machen. Dass er dazu sein Blatt und dessen Reichweite nutzt, finde ich immer noch genial.

Und nur so nebenbei: sind wir wirklich alle so integer, wie wir gern sein wollen? Stimmt bei uns jede Handlung mit dem überein, woran wir glauben? Wir wollen das, und wir streben danach, aber es gelingt uns nicht immer. Ich zähle Integrität zu den höchsten Werten in meinem Leben, und ich hasse es, diesen Wert zu verletzen. Dennoch kommt es vor. Daher gehe ich lieber daran, meine eigenen Wertediskrepanzen aufzuspüren, als mich aufs hohe christliche Ross zu schwingen und mit dem ethischen Vorschlagshammer auf einen gutgemeinten, gut geschriebenen und berührenden Text einzuprügeln.

Vielleicht kündigt Boecking ja mal seine Stellung. Vielleicht ist dieser Artikel der erste Schritt in einem Lebensprozess. Vielleicht sieht er das auch alles ganz anders und lässt uns einmal an seiner Sicht teilhaben. Egal Reverse Phone Lookup , was davon eintrifft, danke ich ihm hier und jetzt noch einmal für seine Worte. Mögen sie in den Herzen vieler Menschen etwas bewegen und andere Christen ermutigen, ebenfalls „unverschämt“ zu ihrem Glauben zu stehen und sich an das zu erinnern, was Boecking so ausgedrückt hat:

„Wieder und wieder werden wir in der Bibel aufgefordert, uns frei und ohne Angst zu Gott und Jesus zu bekennen. Und damit zu den Grundpfeilern der guten Nachricht: zu Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung. Auch dieses offene Bekenntnis ist eine Tat und der beste Anfang.“
(Quelle: “Bild” Online)

Hast du den Artikel gelesen, und was hältst Du davon? Findest Du Boeckings Aktion heuchlerisch, stark oder weder noch? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!