Nachdem mein Blog in den Ferien etwas Staub angesetzt hat, melde ich mich endlich zurück – seit einer Woche bin ich wieder im Alltag unterwegs. Der Urlaub hat seinen Zweck hinreichend erfüllt; ich fühle mich frisch und der Arbeit, meinem Buchprojekt und allem anderen, was ansteht, wieder einigermaßen gewachsen. In der zweiten Ferienwoche sah es allerdings noch zappenduster aus – und ich hatte erst keine Ahnung warum.

In der ersten Ferienwoche waren wir für einen Kurztrip  in Heidelberg. Obwohl wir zu müde waren, um viel zu unternehmen, genossen wir den Aufenthalt. Nach einem ruhigen Wochenende freuten wir uns auf die Uhu-Woche (für Nichtschweizer: Abkürzung für „Ums Hus ume“, d.h. ums Haus herum). Endlich Ruhe, auftanken, Seele baumeln lassen.

Doch es funktionierte nicht.

Unheimlicherweise wurde es in mir jeden Tag dunkler, präziser gesagt: es kam mir vor, als ob kontinuierlich von Tag zu Tag jede Farbe aus meinem Leben herausgesaugt würde. Zuhause normalerweise ein fröhlich-zappeliger, geschwätziger Mensch,  verlor ich jeden Humor, und meine Lebensfreude schien tröpfchenweise aus mir herauszusickern.  Gleichzeitig türmte sich all das, was ich nach den Ferien und bis Ende Jahr zu bewältigen habe, wieder einmal vor mir auf. Ohne es zu wollen, geriet ich in Panik, und alles Rationalisieren half nichts: Mein Verstand wusste, dass es nicht so schlimm werden würde, aber ich konnte den Rest von mir einfach nicht davon überzeugen. Ich schlich nur noch wie ein geschlagener Hund im Haus herum.

Das Wetter war derweil gnadenlos schön, und ich versuchte resolut, mein armes Ich zur Erkenntnis zu bewegen, dass alles gut ist: „Frau, jetzt guck doch mal – die SONNE SCHEINT! Der Himmel ist BLAU! Du hast FERIEN! Jetzt FREU Dich doch!“

Aber es freute sich einfach nicht. Meine Augen sahen den blauen Himmel und die Sonne, die blühenden Sträucher, aber es war, als ob  mein Hirn diese Daten nicht übersetzen könnte – als ob zwischen meinen Ohren nur eine dumpfe Masse saß, die keine Daten weitergab.

Es waren zwar nur ein paar Tage, aber dieses Gefühl oder besser Nichtgefühl war mir so unvertraut, dass ich es mit der Angst bekam. Ich hatte so etwas noch nie erlebt und begann mich zu fragen, ob ich mein Gehirn untersuchen lassen muss. Schließlich hatte ich keinen Grund für dieses Tief – alles war in Ordnung.

Alles außer einer Kleinigkeit. Etwas war anders als sonst, und als mir die Idee kam, dass mein Zustand damit zusammenhängen könnte, dämmerte ein Quentchen Hoffnung in mir auf.

Seit Ende Mai lassen wir unsere Fassade renovieren. Ursprünglich waren sieben Wochen vorgesehen, dann kam der „Große Regen“, und die Arbeiten gingen nicht voran. Unser Plan war gewesen, dass wir zwei Wochen Ferien in unserem schön renovierten Haus verbringen würden, aber langsam war uns klargeworden, dass das so nicht klappen würde. Wir begannen uns mental darauf vorzubereiten und planten den kleinen Heidelbergtrip in der Hoffnung, bei unserer Rückkehr sei das Ganze vielleicht doch erledigt. Doch dem war nicht so, und unsere Home-Holiday-Woche sah dann notgedrungen etwas anders aus:

Um 7.15 war Tagwache, weil dann die Arbeiten begannen. Vor dem Duschen mussten wir Türen und Fenster schließen, um beiderseits unerwünschte Blicke auf nackte Tatsachen zu verhindern. Beim Kaffeeholen grüßte uns der erste Maler freundlich durchs Küchenfenster. Manchmal klingelte es vor der Morgendusche, weil irgendetwas besprochen werden musste. Selbst wenn ich im oberen Stock im Musikzimmer hinter meinem PC saß, lief alle Naselang jemand vor meinem Fenster vorbei.

Das alles kannten wir seit Ende Mai, nur waren wir da nicht immer zuhause – ich arbeite an zwei Tagen ganz auswärts und an zwei weiteren halbtags, und wenn wir am Abend heimkamen, hatten wir das Haus wieder für uns. Jetzt konnten wir nur fliehen, wenn wir unsere Ruhe wollten. In diesen Tagen begann ich schließlich zu vermuten, dass mir die ununterbrochene Anwesenheit fremder Leuten zusetzte, und das nährte die leise Hoffnung, dass es auch wieder  anders werden könnte.

Das Wetter war auf unserer Seite: Die Arbeiter kamen gut voran und begannen am Donnerstag mit dem Abbau des Gerüsts. Am Freitag war es weg, und wir nahmen einen Umtrunk  und Imbiss mit der Crew, im seligen Wissen, dass nun inklusive Feiertag drei ungestörte Tage vor uns lagen. Und das Wunder nahm seinen Lauf: Schon am Freitagabend ging es mir um Welten besser, und am Samstagmorgen war ich so erleichtert wie schon lange nicht mehr. Der dunkle Deckel hatte sich gelüftet – ich war „zurück“.

Das Erlebnis hat mir einmal mehr gezeigt, wie wichtig das Alleinsein für mein mentales Gleichgewicht ist. Es hat mir aber auch klar gemacht, dass ich nicht immun gegen irrationale Gefühle bin – eine ernüchternde und auch etwas beschäme Erkenntnis für mich. Ich mache anderen gern mal stille Vorwürfe , wenn sie nicht „vernünftig“ reagieren und ihre Stimmungen nicht logisch sind oder in einem meiner Ansicht nach unangemessenen Verhältnis zur Realität stehen. Zu diesen Vorwürfen gesellt sich dann auch gern ein Gefühl der Überlegenheit und der Glaube, zwar nicht gefühlarm zu sein, aber meine Emotionen stets unter Kontrolle zu haben und von purer Logik geleitet zu sein.

Oh Irrtum –  mein Hirn tat in diesen Tagen sein Bestes, um den Rest von mir zu überzeugen, dass alles gut ist, und es versagte kläglich. Ich konnte meine Gefühle oder Nicht-Gefühle nicht ändern, und ich habe für einmal am eigenen Leib gespürt, dass das Hirn aller Logik zum Trotz manchmal einfach den Kürzeren zieht.

Brunnen St. UrsGestern Mittag habe ich mit meinem Vater in Solothurn zu Mittag gegessen und danach die St. Ursen-Kathedrale und die steinernen Skulpturen und kleinen Brunnen neben der Treppe bewundert. Glitzernde Wassertropfen funkelten in der Sonne und hoben sich vom blauen Mittagshimmel ab – ein wunderschönes Bild. Um halb sechs bin ich mit dem Auto von der Arbeit nach Hause gefahren. Der Weg geht gen Westen, und ich fuhr gemächlich auf der Landstraße in die Abendsonne. Die bewaldeten Jurahügel begleiteten mich in sanften, dunkelgrünen Wellen, davor glänzten grüne Maisfelder. Und als Grenchen langsam näher kam, tauchten hinter dem Bucheggberg die „Schneeberge“ auf – die Berner Alpen. Weißleuchtend, mächtig, zum Anfassen nah in der klaren Luft. Meine Augen sahen sich das alles an, gaben es an mein Hirn weiter, und mein Hirn freute sich, und mein Herz weitete sich, und ich spürte den Frieden und die Pracht dieses Abends bis in den kleinen Zeh.

Ich bin so dankbar, dass ich solche Momente genießen,
mich an ihnen erfreuen und darin auftanken kann.
Und ich werde das nie mehr als selbstverständlich ansehen.

?Nach sieben Tagen Peak District bin ich wieder im Alltag angekommen. Die Zeit in England war entspannend, friedlich und inspirierend – unter anderem haben wir „Stanage Edge“ erklommen und das „Chatsworth House“ besichtigt, Stammsitz der Dukes of Devonshire und Schauplatz von Mr. Darcys „Pemberley“ in „Pride & Prejudice“ 2005. Der aufregendste und anstrengendste Tag war aber der zweitletzte, und das eher zufälligerweise. Alles begann mit einer harmlosen Wanderung.

 

?Wir hatten uns entschlossen, dem „Ladybower Reservoir“ einen Besuch abzustatten – ein Stauseegebiet mit Wäldern und Hügeln, ideal für einen entspannenden Ausflug. Nach etwa anderthalb Stunden Wanderung durch Wälder und Wiesen oberhalb des Seeufers erreichten wir das Ende des Seearms und machten uns auf der anderen Seite auf den Rückweg. Als ein hölzerner Wegweiser einen Hügel hinaufzeigte, beschlossen wir spontan, ihm zu folgen, weil es spannender schien, als auf dem asphaltierten Weg weiterzuwandern.

20150829_111637An dieser Stelle ein kleiner Exkurs und eine Warnung für Schweizer, die in England wandern wollen: Wo bei uns ein leuchtend gelber Wegweiser auf die Minute genau angibt, wie lange man nach Wengen oder aufs Stockhorn braucht, genügt den Engländern ein hölzernes oder metallenes Schild mit der Aufschrift „Public Footpath“, mit viel Glück ergänzt durch zwei Pfeile und eine vage Ortsangabe.                  SO sehen Wegweiser aus!

20150822_142430Aber genug der Tirade: Wir ließen Stausee, Wiesen und Wälder immer weiter unter uns. Es war heiß, und wir gerieten ins Keuchen. Als der Weg sich vom See abwandte, wurden wir unsicher, beschlossen aber weiterzugehen. Die mit Steinen, Schafen und pinken Heidekrautbüschen gesprenkelten Hügel waren verwunschen und malerisch, die Stille und Weite wunderbar.

Dennoch wurden wir nach einiger Zeit durstig und müde. Wir hatten nicht für eine so lange Wanderung eingepackt, und unser Trinkwasservorrat neigte sich dem Ende zu. Außerdem führte der Weg auf einen Hügelkamm, den wir uns nicht mehr antun wollten, und es sah nicht so aus, als ob es eine Alternative gab. Aber es konnte ja nicht so schwierig sein, etwas abzukürzen – oder?

Wir riskierten es, verließen den breiten Trampelpfad und stürzten uns in die Heidekrautbüsche. Doch das war anstrengender als gedacht: Unter den struppigen Büschen verbarg sich unebener Boden, und wir mussten die Beine bei jedem Schritt anheben, als ob wir durch kniehohen Schnee stapfen würden. Ab und zu sprang unerwartet ein verschrecktes Schaf blökend hinter einem Strauch hervor, und wir wussten nie, ob wir beim nächsten Schritt in einem Erdloch stecken würden.

20150822_145310Tapfer kämpften wir uns durch die Misere und hofften inständig, dass endlich ein Weg zum Vorschein käme. Fehlanzeige. Irgendwann dämmerte uns leise, dass es bei weitem einfacher und weniger anstrengender gewesen wäre, auf dem Trampelpfad den Hügelkamm zu erklimmen. Nachdem wir uns zu dieser Erkenntnis durchgerungen hatten, änderten wir die Richtung um 90 Grad und kletterten entschlossen bergan. Einige schweißtreibende Minuten später war es geschafft, und die breiten Natursteinplatten, die die Hochebene durchzogen, waren ein exorbitant schöner und erleichternder Anblick.

 

20150822_150459Der Rest der Wanderung war dann weit angenehmer, obwohl langsam ein Gewitter aufzog und wir nicht recht wussten, wie wir von der Höhe wieder zum See herunterkommen sollten, doch schließlich kamen wir wohlbehalten und trocken wieder im Tal an und belohnten uns für die lange Wanderung mit einem Abendessen im Pub. Die einzigen Nachwehen unseres unvorsichtigen Experiments waren Muskelkater und ein verbrannter Nacken, weil wir bei der stressigen „Pfadfinderei“ vergessen hatten, Sonnencreme aufzusprühen.

***

Der überraschende, glücklicherweise glimpfliche Ausgang unserer Spontanentscheidung hat mir wieder einmal klar gemacht, dass Abkürzungen in vielen Fällen keine Lösung sind. So ungern wir das hören: Oft ist das Wichtige im Leben nur auf dem längeren und anstrengenderen Weg zu erreichen.

Abkürzungen und Beruf(ung)
Auf meinem steinigen Hike zum ersten Prosawerk fantasiere ich manchmal davon, schon jetzt so schreiben zu können wie Dick Francis, Harper Lee, Elisabeth George oder Stephen King. Aber abgesehen davon, dass ich SO wohl niemals schreiben werde, weil solche Talente dünn gesät sind, weiß ich auch, dass diese Damen und Herren viel Zeit aufgewendet haben, um ihren Stil zu finden und zu perfektionieren. Ich kann den Weg zu meinem eigenen Stil und zur Qualität, die mir vorschwebt, nicht abkürzen: Mir bleibt nichts anderes übrig, als die nötige Zahl Worte zu schreiben, Kurse zu besuchen und Wagenladungen Schweiß (und vielleicht Tränen) zu vergießen.

Abkürzungen und Beziehungen
Das Gleiche gilt für Beziehungen. Auch wenn wir uns mit manchen Menschen rasch und manchmal fast magisch verstehen, braucht es Zeit, bis Freundschaften die Tiefe und Beständigkeit entwickeln, auf der unser Vertrauen wachsen kann. Wird das Vertrauen erschüttert, braucht es Zeit und Geduld, um diese Wunde wieder zu schließen, und dafür braucht es beide Seiten. Das gelingt nich immer, und manchmal müssen wir akzeptieren, dass sich eine Beziehung nicht mehr wiederherstellen lässt.

Abkürzungen bei Gott
Der erste Punkt gilt auch für meine Beziehung zu Gott: Wenn ich mir eine Nähe wünsche, in der ich mich geborgen fühle, muss ich Zeit investieren. Mir hilft Verschiedenes, meine Beziehung zu ihm zu vertiefen und mein Vertrauen wachsen zu lassen: In seinem Wort zu lesen zeigt mir seinen Charakter; zu beten und auf seine Stimme zu horchen fördert meine Feinfühligkeit für sein Reden; ihm zu singen und ihn anzubeten zeigt mir seine Erhabenheit, öffnet mein Herz für Erkenntnisse und verändert mich zu ihm hin, und auf Spaziergängen in seiner Gegenwart, ohne Plan und Wunschliste, lerne ich zu glauben, dass er auch mein Freund und immer nur eine Haaresbreite und ein Gebet von mir entfernt ist.

Doch hier hört die Beziehung zu Gott auf, wie die zu einem Menschen zu sein. Denn während wir bei Menschen nicht immer wissen, woran wir sind, während wir uns missverstehen können und manchmal wankelmütig sind, ist Gott immer der Gleiche. Und der schönste Zug an ihm, den man guten Gewissens von keinem Menschen erwarten kann: Ich kann sein Vertrauen, seine Liebe und sein Wohlwollen nie mehr verlieren. Selbst wenn ich mich daneben benehme, rebelliere und ihn anklage, kann ich jederzeit zu ihm umkehren. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, muss ich danach nicht geduldig den verlorenen Boden wieder gutmachen. Gott kennt mich bis auf den tiefsten Grund meines Herzens, und bei ihm kann ich nichts falsch machen.

Diese Heimat bei Gott ist es, die mein Leben leicht und hell macht. Nicht leicht im Sinne von problemlos, nicht hell im Sinne von ohne Schatten und schwere Zeiten. Aber meine Quelle versiegt niemals, und um zu ihr zu gelangen, brauche ich keine Abkürzung – denn der Weg zum Herzen Gottes könnte nicht kürzer sein.

Flugzeug SonneDie offizielle Ferienzeit ist in der Schweiz vorbei – die Urlauber sind braungebrannt zurück im trauten Heim, und auch die an der Heimatfront haben dieses Jahr Farbe bekommen. Während für die Mehrheit der Alltag wieder angefangen hat, bin ich bald am Kofferpacken und freue mich auf ein paar Tage in Englands „Peak District“,  auf den Spuren von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“.

Das klingt nach einer lange geplanten Sache, kam aber eher spontan zustande: Erst hing eine Reise nach Galway in der Luft, aber da es keine Flüge mehr gab, verschob ich meine Nachforschungen nach Südengland, wo es zwar Flüge gab, aber nur happig teure. Dann entdeckte ich einen günstigen Flug nach Manchester, schaute mir an, wo man von da aus so hinkönnte, und die literarisch-naturgeprägte Reise war geboren.

Reisen ist im www-Zeitalter eine Wissenschaft geworden: „Last-Minute“ oder doch lieber „Early Bird“? Wer genau weiß, wohin er will, ist meist besser bedient, wenn er rechtzeitig bucht; ist man flexibel und abenteuerlustig, was das „wohin“ angeht, kann man auch mit gepacktem Koffer an den Flughafen fahren und schauen, was grad so an „Last Minute“ zu haben ist.

Meiner Natur gemäß haben diese weltlichen Reisepläne mich zu einem Gedankenspiel über die aktuellen Reisebedingungen in Sachen Glauben geführt: Lohnt sich bei „Christ Travel“ Last Minute, oder gibt es schöne Early Bird-Rabatte?

Jeder kriegt „All Inclusive“
Auf den ersten Blick sieht es für Early-Birder enttäuschend aus. Egal, wann im Leben ich die Einladung annehme: Die Erlösung ist komplett, es gibt für jeden All Inclusive und keine Extras für die, die schon lange dabei sind. Dass dem so ist, erzählt Jesus im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg: Ein Mann wird vom Weinbergbesitzer angeworben, den ganzen Tag für ihn zu arbeiten, und die beiden vereinbaren einen schönen Tageslohn. Aufgrund des hohen Arbeitvolumens stellt der Besitzer fortlaufend Leute an, den letzten eine Stunde vor Feierabend. Als der Arbeiter, der den ganzen Tag geschwitzt und geackert hat, seinen Lohn in Empfang nimmt, freut er sich – aber nur, bis er merkt, dass alle anderen, die nach ihm gekommen sind, gleichviel erhalten.

Die Risiken von „Last Minute“
Diese kommunistisch anmutende Gleichmacherei hält manche Menschen von der Hinwendung zu Jesus ab: Da eine langjährige Mitgliedschaft keinen besonderen Status zur Folge hat, liebäugeln sie mit der Idee, ihre Entscheidung auf den letzten Moment zu verschieben. Aber dieses Last-Minute-Spiel ist gefährlich. Gott wirbt zwar immer wieder geduldig und hartnäckig um uns, in vielen Begegnungen und Momenten, in denen wir spüren, dass wir hier und jetzt eingeladen werden, zu glauben und eine Entscheidung zu treffen. Wenn wir die sanfte Stimme der Wahrheit und die Worte seiner Liebe aber nicht hören wollen und unser Herz Mal um Mal verschließen, laufen wir Gefahr, dass sich dieses Herz verhärtet und irgendwann so undurchdringlich ist, dass wir Gottes Einladung nicht mehr annehmen können.

Der wahre „Early Bird“
Wenn ich dieses Risiko nicht eingehen will, tue ich also gut daran, seine Einladung eher früher als später anzunehmen. Und das nicht nur aus diesem Grund: Tatsächlich gibt es einen Early Bird, an dem ich mich seit 11 Jahren erfreue. Es ist das erfüllte, befreite, tiefe und erlöste Leben im Hier und Jetzt. Ein Leben kann ausgefüllt sein, wenn ich es ohne Gott lebe, aber wenn wir, wovon ich überzeugt bin, für die Gemeinschaft mit Gott geschaffen sind, wird uns ohne diese Gemeinschaft etwas fehlen, das wir nirgendwo sonst finden werden.

Ich erlebe es als Glück zu wissen, dass ich eine gewollte, gelungene Schöpfung bin und den kenne, der mich geschaffen hat, als Glück der Freiheit, dass all meine Fehler und Misstritte nicht mehr auf mir lasten und ich jeden Tag neu anfangen kann, als Glück zu entdecken, was Gott alles in mich hineingelegt hat, und so Schritt für Schritt meinen Platz und meine Aufgabe in diesem Leben zu finden, und vor allem als Glück im tiefen Frieden, dass Jesus genügt: Dass ich angenommen und angekommen bin, dass dem Evangelium nichts hinzuzufügen ist und ich mich in dieser Gewissheit entspannen und einfach leben darf.

Keine Angst vor den Reisebedingungen!
Der Zeitgeist will uns glauben machen, dass wir etwas verpassen, wenn wir auf Gott setzen. Unser ängstliches, sich um sich selbst drehendes Ego glaubt, dass das Leben mit Gott grau und langweilig wird, und wir fürchten, dass die Gepäckvorschriften auf dem Flug des Glaubens so restriktiv sind, dass wir etwas zurücklassen müssen, das wir als lebensnotwendig ansehen. Aber das ist eine doppelte Lüge. Zum einen lässt Gott uns mit allem Gepäck einsteigen – auch dem, das uns allenfalls herunterzieht. Er verlangt nicht, dass wir etwas zurücklassen oder uns zum Voraus ändern. Auf dem Flug merken wir mit der Zeit selbst, dass gewisse Gepäckstücke unnötig oder hinderlich sind, und werfen sie nach und nach ab. Und zum zweiten stellen wir erleichtert fest, dass die Anweisungen für die Reise uns weder behindern noch beschneiden, sondern uns gewurzelt im Gebot der Liebe und der Würdigung allen Lebens vor egoistischen Fehlern schützen und damit uns und anderen Leid ersparen können.

This is for you…!
Mir ist klar, dass mein Blog auch von zwei Personengruppen gelesen wird, die mit solchen Inhalten nur begrenzt etwas anfangen können: Den Mitfrömmlern, die das alles schon kennen, und den mir bisher noch halbwegs wohlwollend gegenüberstehenden Areligiösen, die sich allenfalls nach diesem Post wieder überlegen, ob sie sich das noch antun wollen. Trotzdem schreibe ich dieses Post, und zwar für Dich – den einen Leser, den meine Zeilen berührt haben. Dir sage ich noch dies – und wer will, kann weiterscrollen:

Philipper 2 10Ich bin tief davon überzeugt, dass wie in Philipper 2,10 angekündigt der Tag kommen wird, an dem sich jedes Knie vor Jesus beugen und jede Zunge bekennen wird, dass er der Herr ist. Aber nicht alle werden es freiwillig tun. Davon singt auch Brian Doerksen in seinem Klassiker „Come, now ist he time to worship“. Er beendet den Refrain so:

Dennoch bleibt der größte Schatz denen, die ihn jetzt mit Freuden wählen.

Diesen Schatz – das Leben, das ich hier und jetzt im Vertrauen auf meinen Gott führen kann, ganz zu schweigen von der Ewigkeit in seiner Gegenwart – wünsche ich jedem Menschen. Daher schließe ich mit dieser kleinen Werbepersiflage (Claus HiPP möge mir verzeihen):

Wenn sich je ein Angebot in Deinem Leben gelohnt hat,
dann ist es die Reiseofferte Jesu.

Dafür stehe ich mit SEINEM Namen.